Hypochondrie in Zeiten der Corona-Pandemie

21 Mai, 2020
Die aktuelle Corona-Pandemie bereitet uns Sorgen und stellt uns vor viele neue Herausforderungen. In dieser schwierigen Zeit müssen wir Menschen mit Hypochondrie verstehen und ihnen psychotherapeutische Unterstützung ermöglichen.

Seit Beginn der Corona-Pandemie können wir beobachten, dass Hypochondrie häufiger auftritt. Dieses Phänomen äußert sich auf verschiedenen Ebenen: In leichten Fällen existiert der Verdacht, sich mit SARS-CoV-2 infiziert zu haben und deshalb interpretieren Betroffene jedes Symptom, wie zum Beispiel einen einfachen Nieser, als Beweis dafür.

In ernsten Fällen äußert sich die Hypochondrie jedoch viel stärker: Die betroffene Person ist sich ganz sicher, an COVID-19 erkrankt zu sein und entwickelt sogar gewisse Symptome. In Wahrheit ist sie jedoch kerngesund. Betroffene Menschen leiden stark an ihrer eingebildeten Krankheit, denn sie glauben wirklich, sich damit angesteckt zu haben, jedoch nicht die entsprechende Behandlung zu erhalten.

Dabei müssen wir berücksichtigen, dass die aktuelle Corona-Krise verschiedenste Auswirkungen hat, auch auf die mentale und emotionale Gesundheit. Die ständige Bombardierung mit Informationen sowie der allgemeine Alarmzustand lösen Stress und Sorgen aus. Deshalb ist es auch verständlich, dass mehr Menschen an Hypochondrie leiden.

Hypochondrie in Zeiten des Coronavirus

Mann mit Hypochondrie

Als Hypochondrie bezeichnet man eine geistige Störung, die sich durch die Angst vor Krankheiten charakterisiert. Diese Angst bewegt Betroffene dazu, ständig mögliche physische Symptome einer Krankheit zu analysieren und diese übertrieben zu interpretieren.

In vielen Fällen kommt es durch die eingebildeten Anzeichen tatsächlich zu physischen Symptomen, zum Beispiel zu spezifischen Schmerzen und zu verschiedenen Arten der Paralyse. Die betroffenen Menschen möchten damit niemanden hinters Licht führen, sie sind tatsächlich davon überzeugt, krank zu sein.

Die Corona-Pandemie ist für zusätzliche Angst und Sorgen verantwortlich und wir sprechen ständig darüber. Deshalb ist es nur logisch, dass in dieser schwierigen Zeit mehr Menschen an Hypochondrie leiden. Die Corona-Krise ist also ein Faktor, der die Symptome der meisten Hypochonder verstärkt.

Die Corona-Pandemie löst Angst und Nervosität aus

Angst äußert sich auf verschiedenste Arten und führt zu unterschiedlichen Störungen. Was Hypochonder gemeinsam haben, ist, dass sie sich übermäßige Sorgen um die Zukunft machen. In anderen Worten: Sie gehen davon aus, dass eine Bedrohung großen Schaden anrichten wird.

Unter normalen Umständen hat eine nervöse Person Angst davor, was passieren könnte, auch wenn keine Anzeichen für Gefahren oder Risiken zu erkennen sind. Doch in der aktuellen Situation ist tatsächlich ein Risiko vorhanden, das große Schäden verursachen könnte. 

Dazu kommt die allgemeine Unsicherheit, denn wir können noch nicht abschätzen, wie sich die Situation entwickeln wird. Dies führt dazu, dass wir alle etwas nervös oder ängstlich sind. Menschen, die besonders stark daran leiden, können ganz einfach zu Hypochondern werden.

Somatisierung und Hypochondrie 

Somatisierung und Hypochondrie 

Eine psychologisch stabile Person experimentiert in der derzeitigen Lage verständliche Sorgen. Sie fühlt sich zwar nicht wohl, wenn sie Nachrichten über das neue Coronavirus hört, doch danach kehrt sie wieder in ihre normale emotionale Verfassung zurück und beschäftigt ihren Geist mit anderen Dingen. 

Doch Menschen, die starke Angst empfinden, die nicht unbedingt pathologisch sein muss, können in Krisenzeiten Schwierigkeiten haben. Ihr Interesse für dieses Thema kann obsessiv sein, sie können extreme Vorsorge leisten oder die Krankheit somatisieren. Sie hegen den Verdacht, Symptome aufzuweisen, obwohl es dafür gar kein Fundament gibt.

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In diesem Fall kann sich die betroffene Person die Körpertemperatur messen oder den kleinsten Husten oder andere Erkältungssymptome falsch interpretieren. Sie wird sich dann häufig selbst über ihren Fehler bewusst, kann diesen jedoch trotzdem wiederholen. 

Hypochonder gehen jedoch noch weiter. Sie können die Situation in der Regel nicht selbst bewerten und keine logische Erklärung finden. Vielmehr fühlen sie sich tatsächlich krank und glauben, dass sie Opfer einer Vernachlässigung sind, wenn ihre Mitmenschen ihnen nicht zustimmen und nicht helfen.

Was tun bei Hypochondrie in Zeiten des Coronavirus?

Während der Corona-Pandemie empfehlen sich Vorsorgemaßnahmen wie soziale Distanz, Händewaschen usw. Doch auch eine weitere präventive Maßnahme ist von besonderer Bedeutung: Wir müssen unsere mentale Gesundheit pflegen! In so schwierigen Zeiten werden unsere Emotionen und unser Geist auf die Probe gestellt und können aus dem Gleichgewicht geraten.

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Wir müssen versuchen, uns nicht von Katastrophendenken und sensationshungrigen Informationen mitreißen zu lassen. Natürlich können wir der Aktualität auch nicht den Rücken kehren und so tun, als ob nichts passiert wäre. Allerdings ist es sehr wichtig, die Zeit für Nachrichten zu begrenzen und uns den Rest des Tages auf andere Dinge zu konzentrieren. Atme tief durch, treibe Sport und mache dir Mediation zur Gewohnheit.

Für Hypochonder  ist es äußerst wichtig, ihnen nicht zu widersprechen, denn dadurch fühlen sie sich nur noch schutzloser. Ein Psychotherapeut kann die richtige Behandlung einleiten und Betroffenen helfen.

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