Gute Menschen gehen nicht von der Bosheit anderer aus

· 27 Februar, 2019
Die Bosheit anderer sollte nicht bewirken, dass wir unsere Wesensart verändern und allen, die uns umgeben mißtrauen. Schuld bist nicht du, sondern jene, die versuchen, dich auszunutzen.

Manchmal sind wir zu unschuldig und sehen nicht die zweischneidigen Absichten, den versteckten Egoismus oder die Bosheit, die in Geschenkspapier und nette Gesten eingepackt ist.

Bosheit, oder besser gesagt Verrat oder Eigeninteresse liegen an der Tagesordnung.

„Denke Schlechtes und es wird zutreffen“, daran glauben viele. Doch gute Menschen oder jene, die bevorzugen, die guten Eigenschaften der anderen zu sehen, gehen ganz anders an ihre Mitmenschen heran.

Ein edles Herz sieht immer die guten Seiten der Menschen und bevorzugt es, sich hinzugeben, zweite Chancen zu geben und Vertrauen zu schenken. Deshalb werden sie im Leben meist mehr als nur einmal enttäuscht.

Wir laden dich heute ein, mit uns über dieses Thema nachzudenken.

Versteckte Bosheit und verkleideter Egoismus

Der Psychologe und Forscher Howard Gardner hat vor kurzem die Medien mit einem Kommentar überrascht, der um die Welt reiste.

Der bekannte Harvard-Professor und Experte über menschliche Intelligenz hat festgestellt, dass schlechte Personen nie gut im Beruf werden. Sie können zwar erfolgreich sein, jedoch nie herausragend.

Für Gardner sind gute Menschen jene, die keine Anerkennung suchen, sondern ihre Motivation in ihrer Arbeit finden, um der Gemeinschaft Gutes zu tun. Eine Person mit dieser Vision und diesem Gefühl kann in seinem Beruf Außerordentliches leisten.

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Auch im Privatbereich und in Beziehungen ist dies so. Zu einer außergewöhnlichen Person kann man nur werden, wenn man für das Wohl der anderen sorgt und gegenseitigen Respekt ausübt.

Wer sich emotional nicht öffnet und nur im eigenen Interesse handelt, kann keine Bindungen aufbauen, keine Brücken, die Beziehungen stärken. 

Dazu kommt, dass Personen mit guten und edlen Absichten die schlechten Intentionen anderer meist gar nicht erkennen.

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Verstecktes Interesse

Aus verschiedenen wissenschaftlichen Studien, die von dem Psychologen Robert Feldman an der Universität von Massachusetts (USA) durchgeführt wurden, geht hervor, dass rund 60% der Personen im Durchschnitt drei Mal täglich lügen. 

  • Dazu zählen auch Unterlassungen, Übertreibungen sowie seriöse Falschheiten, die ein egoistisches Interesse verfolgen. Man kann daraus schließen, dass es Notlügen und große Falschheiten gibt, wobei letztere am zerstörerischsten sind.
  • Verstecktes Interesse ist jenes, das bestimmte Ziele bezweckt und nicht daran zweifelt, falsche Verhaltensweisen zu verwenden, um diese zu erreichen.
  • Experten über menschliches Verhalten weisen darauf hin, dass wir alle auf irgendwelche Art Vorteile bei unseren Mitmenschen suchen.

Gewöhnlich erwartet man jedoch Respekt, Anerkennung, Zuneigung, Liebe, Freundschaft… Eigenschaften, die man immer in Freiheit und freiwillig anderen schenkt.

Personen, die in ihrem Herzen Bosheit verstecken und egoistisch sind, manipulieren andere, um ihre Absichten zu erreichen.

Dadurch entsteht eine Dissonanz zwischen den wahrhaftigen Gefühlen und den Aktionen, die durchgeführt werden. Das Verhalten kann nicht immer vorausgesehen werden und meist schöpfen gute Menschen keinen Verdacht.

Ein edles Herz geht nicht von falschen Interessen aus

Die Gründe dafür, warum viele herzensgute Menschen, die Vertrauen und Respekt zeigen und oft auch altruistisch sind, anderen offen gegenübertreten, ohne falsche Interessen zu vermuten, sind folgende:

  • Bosheit und Egoismus werden meist von Verhaltensweisen versteckt, die es nicht einfach machen, diese negativen Eigenschaften zu erkennen.
  • Gute Menschen zeigen große EmpathieDas bedeutet insbesondere, dass sie sich einfühlen können in andere Menschen, deren Emotionen, Traurigkeit, Freude, Bedürfnisse und Sorgen verstehen.
  • Das menschliche Gehirn kann sich normalerweise nicht in Bosheit oder Egoismus einfühlen, deshalb werden diese auch nicht sofort erkannt.
  • Nicht zu vergessen ist, dass wenn jemand etwas möchte, dies ganz geschickt und subtil versucht zu erreichen, indem die Kunst der Manipulation und Täuschung praktiziert wird.

Meist wecken diese Menschen Wärme, Zärtlichkeit, Freundschaft und andere positive Emotionen in uns, die bewirken, dass wir uns in deren Netze verfangen.

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Zweifellos handelt es sich um einen sehr komplexen Prozess.

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Enttäuschungen

  • Gute Menschen werden sehr oft enttäuscht. Fast niemand besitzt einen inneren Radar, mit dem Bosheit oder zweideutige Absichten entdeckt werden können.
  • Deshalb ist die Enttäuschung meist größer: Der verursachte Schmerz durch den Betrug führt zu Enttäuschungen, dazu kommt ein negatives Gefühl mit sich selbst, da die Gefahr nicht frühzeitig erkannt wurde.
  • Doch bevor man sich mit diesen destruktiven Gedanken martert, indem man alles zu persönlich nimmt, sollte man das Geschehene als Erfahrung und Lernprozess betrachten.

Enttäuschungen dienen dazu, uns die Augen zu öffnen, sollen jedoch nicht das Herz verschließen. Ansonsten sind wir nicht mehr wir selbst und das können wir nicht erlauben.

Lass nicht zu, dass dich das Verhalten anderer dazu zwingt, jemand zu sein, der du nicht bist!

  • Singer, T., & Lamm, C. (2009). The social neuroscience of empathy. Annals of the New York Academy of Sciences. https://doi.org/10.1111/j.1749-6632.2009.04418.x
  • Taylor, S. E., & Gollwitzer, P. M. (1995). Effects of Mindset on Positive Illusions. Journal of Personality and Social Psychology. https://doi.org/10.1037/0022-3514.69.2.213