Einsamkeit als Preis für Freiheit?

· 27 Mai, 2016
Du solltest dich nicht von sozialem Druck leiten lassen, wenn es um dein Wohlbefinden geht. Einsamkeit ist nicht negativ, ganz im Gegenteil, man sollte sie als Chance für persönliches Wachstum betrachten.

Oft hört man, dass Einsamkeit mehr lehrt als jegliche Gesellschaft. Auch wenn dies richtig sein kann, sind wir Gesellschaftstiere und benötigen Kommunikation, um zu wachsen, zu lernen und zu leben. Das Geheimnis liegt in der angemessenen Ausgewogenheit.

Momente der Einsamkeit sind für die geistige Gesundheit wichtig. Es sind Momente der Ruhe und Verbindung mit unserem Seelenraum. In manchen Lebensabschnitten fühlt man sich auch „angebunden“, man verstickt fast in gewissen Situationen oder aufgrund des Verhaltens bestimmter Personen.

Sobald du das Gefühl hast, die Kontrolle zu verlieren, die Fähigkeit, selbst zu wählen oder die Möglichkeit, dich für einen bestimmten Weg zu entscheiden, da du dich von äußerem Druck begrenzt fühlst, ist der Zeitpunkt gekommen, zu handeln.

Denn manchmal ist Einsamkeit der Preis für Freiheit, doch deshalb muss sie noch lange nicht schlecht sein. Wir laden dich ein, uns auf diesem Gedankenspaziergang zu begleiten.

Wenn Einsamkeit der einzig mögliche Weg ist

Vielleicht kennst du folgende Situation von Frauen in China, die für uns erstaunlich ist, jedoch ausgezeichnet zu unserem heutigen Thema über den Preis der Freiheit passt.

Wenn eine chinesische Frau das Alter von 25 Jahren erreicht und noch nicht verheiratet ist, wird sie als „sheng-nu“ betrachtet, was in der Übersetzung so viel wie „übriggebliebene Frau“ bedeutet.

Lesetipp: Ich fülle keine Leere, ich vertreibe keine Einsamkeit: Ich liebe

  • Keinen Partner zu haben wird als Schande für die Frau und ihre Familie betrachtet. Das geht so weit, dass es einen richtigen Heiratsmarkt für junge Frauen gibt, die „zur Verfügung stehen“, um für diese einen Ehemann zu finden und ihre gesellschaftliche Situation zu „normalisieren“.
  • Die Einzelkind-Politik ist in China inzwischen Geschichte, die Regierung versucht, die Mutterschaft zu fördern. Die Tatasache, dass es Frauen gibt, die ihre „natürliche“ Funktion nicht erfüllen, führt zu einem grausamen und destruktiven Druck auf diese.
  • Zum Glück reagieren viele der betroffenen Mädchen zuerst gegen ihre eigene Familie und natürlich auch gegen die Gesellschaft.

Sie wissen jedoch, dass der Preis dafür die Einsamkeit ist, denn sie werden von vielen verschlossenen Mentalitäten zurückgewiesen. Doch trotzdem fühlen sich diese Frauen frei und komplett, mit dem Recht, so zu leben, wie sie sich das wünschen.

Frau weint weil sie keine Freiheit hat

Wenn der Druck von außen die Freiheit begrenzt

Uns allen ist bewusst, dass Einsamkeit in der Gesellschaft nicht gut geheißen wird. China ist kein Einzelfall. Auch in unserem eigenen Umfeld gibt es verschiedenste Stereotype, die mit einem Singleleben verbunden werden.

  • Wenn eine emotionale Beziehung zu Ende geht, hört man oft folgenden „Trost“: „Mach dir keine Sorgen, du wirst schnell wieder jemanden finden.“ Ganz als ob das Alleinsein eine bedauernswerte oder unverständliche Situation wäre.
  • Es kommt auch häufig vor, dass ein Familienmitglied nicht versteht, dass jemand alleine leben möchte, alleine verreisen oder einfach manche Momente alleine verbringen möchte, um Ruhe mit sich selbst zu erreichen.

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Noch immer wird Einsamkeit als negativ empfunden. Vielleicht fühlen wir uns deshalb durch bestimmte Dinge oder Personen gefesselt, denn wir fürchten den Schritt nach vorne und die unpassende Kritik oder Kommentare, die auf uns zukommen könnten.

Natürliches Herz als Symbol für Freiheit

Die Gesellschaft ist nicht gefährlich

Der Schriftsteller und Dichter Charles Bukowski hat Folgendes klargestellt: Isolierung ist manchmal ein wahrhaftes Geschenk.

Wir möchten damit natürlich auf keinen Fall sagen, dass du für immer mit deiner Umwelt abschließen sollst, mit den Menschen und Rumoren, die dich umgeben, mit der Zivilisation, dem Lachen, den Verabredungen, der Liebe oder Freundschaft.

  • Es geht darum, selektiv zu sein und Prioritäten zu setzen, um jene Situationen zu fördern, die vorteilhaft und therapeutisch sind. Die Einsamkeit ist zweifellos ein persönlicher Zustand, den jeder ab und zu ohne Furcht experimentieren sollte.
  • In einer interessanten Studie, die in der Zeitschrift Havard Business review veröffentlicht wurde, geht hervor, dass die Einsamkeit als Strategie zur Verbesserung vieler unserer kognitiven Fähigkeiten immer mehr geschätzt wird. Darüber hinaus wird dadurch die Harmonie auf emotionaler Ebene gefördert.
  • Personen, die fähig sind, vom „Lärm“ der Umgebung abzuschalten, Werturteile und Erwartungen die andere an sie stellen, zurückzulassen, sind freier und kreativer. Sie stehen neuen Chancen und Möglichkeiten weitaus offener gegenüber.
Kind mit Schmetterlingen als Symbol für Freiheit

Vielleicht ist es an der Zeit, Mythen und Stereotype zu überwinden. Gewählte Einsamkeit, freiwilliges Sich-Zurück-Ziehen, ist ein Beweis von Mut.

Wer nachgibt, kapituliert und sich weiterhin am Zug des Unglücks festhält, muss sich darüber klar werden, dass Gefangensein nicht die beste Option ist.

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Wenn wir alleine sein müssen, um frei zu sein, ist Einsamkeit vielleicht nicht so gefährlich. Wenn wir damit unser Selbstwertgefühl verbessern und unser eigenes Schicksal in die Hand nehmen können, lohnt sich der Weg.

Wir wissen, dass es einfach ist, zu sagen: „Traue dich, sei frei.“

Doch es handelt sich um eine persönliche Wahl, die Zeit und Mediation benötigt, um eine mutige Handlung, die sich lohnt, auszuprobieren.