Das Kassandra-Syndrom und die soziale Ausgrenzung der Frau

· 15 Februar, 2018
Das Kassandra-Syndrom ist die Tendenz, Mut zu zeigen, um nicht mehr unterschätzt zu werden. Es kann heutzutage im Verhalten vieler Frauen beobachtet werden.

Das Kassandra-Syndrom wird zum ersten Mal in einem der berühmtesten Mythen aus der Ilias von Homer beschrieben.

Darin wird erzählt, dass der Orakelgott Apollo von der Schönheit der Kassandra fasziniert war. Sie war die Tochter des Königs von Troja.  Apollo machte ihr ein Angebot, um ihre Liebe zu gewinnen.

Er bot ihr die Gabe der Prophezeiung an. Jedoch mochte Kassandra Apollo nicht. Daher akzeptierte sie das Geschenk, sträubte sich allerdings dagegen, danach mit Apollo zusammen zu sein. Er war erschüttert und vor allem wütend.

Apollo kam zurück und verfluchte Kassandra damit, dass sie nur noch Dinge prophezeite, die niemand glaubte, obwohl sie stimmten.

So wurde aus dem Geschenk ein Fluch. Kassandra litt darunter, dass andere Menschen ihre Wahrheiten unterschätzten.

Das Gefühl, unterschätzt zu werden führt dazu, dass man sich minderwertig fühlt

Das Kassandra-Syndrom bringt die Frau dazu, sich untergeordnet zu fühlen.

Das Kassandra-Syndrom bringt Frauen dazu, sich in vielen Gebieten im Alltagsleben untergeordnet zu fühlen. Tatsächlich bauen sie ihre Identität auf Vorurteilen auf, die bereits über sie existieren.

Manche von ihnen geben zu, dass sie zu schwach sind. Sie sagen, dass sie häufig weinen und sich angegriffen fühlen…

Es gibt jedoch auch Frauen, die zwischen Phrasen wie „der Zug ist abgefahren“ und „sie haben keinen Mann an ihrer Seite gefunden“ stehen.

All dies bewirkt, dass sie eine Identität aufbauen, die auf Abhängigkeit basiert. Sie suchen die Zustimmung Anderer, leiden an einem Mangel an Selbstbewusstsein und der Tendenz, sich für alles verantwortlich zu fühlen.

Zum großen Teil ist dies genau das, was mit Kassandra im Mythos passiert.

  • Sie suchte nach Zustimmung bezüglich ihrer Vorhersagen, wurde jedoch abgelehnt.
  • Sie wollte ihre Geliebten vor dem Leiden retten, vor dem sie schon oft gewarnt hatte. Allerdings vertrauten sie ihr nicht. Deswegen fühlte sie sich schlecht und verlor ihr Selbstbewusstsein.

Menschen mit Kassandra-Syndrom haben oft die Tendenz, Mut zu zeigen. Das kommt daher, dass sie denken sich Respekt und Zuneigung Anderer verdienen zu können.

Allerdings funktioniert das nicht und man wird nur abgelehnt.

Das Kassandra-Syndrom verursacht psychologische Veränderungen

Das Kassandra-Syndrom führt zu psychologischen Veränderungen.

Aufgrund des Gefühls, dass sie unterschätzt werden, durchlaufen Frauen mit diesem Syndrom wichtige psychologische Veränderungen.

Eine dieser Veränderungen ist Perfektionismus. Dies ist die Suche danach, alles zu kontrollieren. Im Überfluss kann dies als deutliches Merkmal erkannt werden.

  • Sie sind besessen von kleinen Dingen, vor allem in ihrem eigenen Wirkungsbereich.
  • Dies zeigt, wie wenig Kontrolle sie über Situationen haben, die normal verlaufen. Sie können keine Zustimmung dafür erhalten, worüber sie keine Macht haben.

Der wichtigste Punkt ist jedoch, dass sie ihre Intuition abstellen. Wenn sie von Anderen unterschätzt werden, tun sie dasselbe. Jedoch tun sie dies für sich und mit ihren Gefühlen und Emotionen.

Daher hören sie nicht auf ihren Instinkt, der ihnen sagt „diese Beziehung ist nicht gut für dich“ oder „du leidest darunter“.

All dies führt dazu, dass diese Personen sich sehr anstrengen. Dies fällt ihnen am Anfang gar nicht auf. Ihr Körper wird jedoch Zeichen geben, da einiges für sie nicht richtig läuft. Sie fangen an unter Schmerzen, Müdigkeit und Schlafproblemen zu leiden…

Wenn Abneigung von außen schmerzt, ist Ablehnung von innen noch schlimmer.

Die Ausgrenzung der Weiblichkeit, das Vorherrschen der Maskulinität

Das Kassandra-Syndrom kann zur sozialen Ausgrenzung von Frauen führen.

Das Kassandra-Syndrom ist eine Form von Ausgrenzung der Weiblichkeit. Dabei  werden Frauen nicht ernst genommen und sind den Männern untergeordnet.

Als Apollo sich abgelehnt gefühlt hat, demonstrierte er seine Maskulinität indem er seine Kraft über Kassandra ausübte. Sie hatte keine Chance. Sie erlitt die Konsequenzen der maskulinen Dominanz.

Und dies hielt noch lange an, nachdem sie unter dem Zorn Apollos gelitten hatte. Sie suchte Zustimmung und Vertrauen, doch beides wurde ihr verwehrt.

Viele Frauen leiden unter diesem Syndrom, da sie damit geboren werden. Das Gefühl, unterschätzt zu werden, besitzen sie von Geburt an.

Es gibt viel gegen die soziale Ausgrenzung der Frau zu tun. Dies kommt nicht daher, dass Frauen immer noch als schwach, emotional und zu sensibel dargestellt werden.

Diejenigen, die unter dem Kassandra-Syndrom leiden bestärken dies. Um von den gegebenen Vorurteilen loszukommen, ist es nötig einen schwierigen und harten Weg mit vielen Steilhängen zu gehen.

Illustrationen von Norvz Austria, David Talley und Greta Larosa.