Coronavirus: Die Suche nach „Patient Null“

21 Mai, 2020
Weltweit bemühen sich Forschungslabors darum, eine Impfung und effiziente Arzneimittel gegen SARS-CoV-2 zu entwickeln. Eine sehr wichtige Forschungsaufgabe ist jedoch auch, den ersten Patienten zu finden, der an Covid-19 erkrankt ist, um so zukünftige Ausbrüche zu verhindern. 

Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 hat sich rasch auf der ganzen Welt ausgebreitet. Regierungen, Kommunikationsmittel und die Bevölkerungen vieler Länder konzentrieren sich ganz auf diese Pandemie. Dabei muss auch ein besonders wichtiger Faktor berücksichtigt werden: Die Suche nach dem „Patient Null“, auch Indexpatient genannt. Es handelt sich um den ersten Patienten, der an COVID-19 erkrankt ist und der andere infizierte und so die Ausbreitung der Krankheit ermöglichte.

Wir alle kennen die Theorie, dass SARS-CoV-2 seinen Ausgang in der chinesischen Stadt Hubei nahm, und zwar ausgehend von einem Fischmarkt. Doch die Forschungslinien sind nicht eindeutig: War es eine Fledermaus oder ein Pangolin, das die Krankheit zum ersten Mal auf einen Menschen übertragen hat? Und wer war die erste Person, die daran erkrankte?

Warum ist es so wichtig, dies herauszufinden und dafür so viele Ressourcen aufzubringen? Die Antwort ist klar und eindeutig: Das Wissen über den Beginn dieser Pandemie kann verhindern, dass sich ähnliche Situationen wiederholen. Erfahre heute mehr über die Suche nach dem „Patient Null“.

Der unbewusste Vektor

Der „Patient Null“ oder Indexpatient steht im Blickpunkt vieler Forscher, die sich zum Ziel gesetzt haben, den Ursprung des neuen Coronavirus SARS-CoV-2 herauszufinden. In der ersten Phase können wir drei Arten unterscheiden:

  • Primärfall: Dies ist der erste Indexpatient in chronologischer Reihenfolge.
  • Ko-Primärfall: Der darauffolgende Fall innerhalb der maximalen Inkubationszeit, der auf denselben Ursprung zurückgeht.
  • Sekundärfall: Dieser folgt auf den Primärfall. Anhand der Inkubationsperiode kann eine Infektion durch den Indexpatienten nachgewiesen werden.

Wir müssen dabei berücksichtigen, dass jeder dieser drei Fälle als Indexfall bezeichnet werden kann. Es ist dabei nicht so wichtig, wer der erste oder der zweite Patient war, der sich infiziert hat, sondern entsprechende Forschungen anzustellen, um herauszufinden wie die Infektion erfolgte.

Wir werden bei einer Krankheit wie COVID-19 nie wissen, wer tatsächlich die erste infizierte Person war, denn das Krankheitsbild verläuft in vielen Fällen asymptomatisch. Doch die Aufmerksamkeit gilt in diesem Fall jenem Patienten, der als Erster die Alarmglocken läuten ließ.

Patient 0 Coronavirus
Wir werden nie mit Gewissheit erfahren, wer tatsächlich die erste mit SARS-CoV-2 infizierte Person war. Die Wissenschaftler konzentrieren sich auf die Person, die die ersten Alarmglocken läuten ließ.

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Der „Patient Null“: Indexfall in China

Der erste Fall einer SARS-CoV-2-Infektion wurde vermutlich am 17. November 2019 dokumentiert, wie Informationen der chinesischen Autoritäten zu entnehmen ist. Forscher glauben, dass es sich um einen 55-jährigen Einwohner der Stadt Hubei handelt.

Entsprechende Evidenzen wurden logischerweise in späteren Untersuchungen gefunden, denn die Symptome dieses Patienten wurden anfangs anderen Ursachen zugeschrieben, denn die Krankheit COVID-19 war schließlich noch nicht bekannt. 

  • Ende März dieses Jahres kam der Pangolin als Auslöser der Pandemie in Verdacht und neuere Studien untermauern diese Annahme.

Ein Forscherteam hat in der Fachzeitschrift Nature die Resultate einer Analyse verschiedener tiefgekühlter Pangolinreste veröffentlicht. Diese Ergebnisse sind aufschlussreich, denn 5 von 18 Proben enthielten Coronavirenstämme, die denen des SARS-CoV-2 sehr ähnlich waren. Diese Ähnlichkeit betrug bis zu 90 Prozent.

Dies bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit einer Mutation eines Virus des Pangolins sehr hoch ist. Diese Mutation ermöglichte die Übertragen auf Menschen. Wir haben also eine mögliche Theorie und kennen vermutlich den ersten Patienten. Was müssen Wissenschaftler noch herausfinden?

Patient Null Coronavirus
Zwar sind weitere Forschungen nötig, doch die derzeitigen Ergebnisse legen eine Mutation eines Coronavirus des Pangolins nahe. Dadurch konnte dieser Krankheitserreger auf den menschlichen Körper übertragen werden.

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Wissen, um die Pandemie zu bekämpfen

Es gibt nicht nur einen „ersten“ Patienten, denn wir müssen von verschiedenen geographischen Regionen sprechen. Zwar ist es grundlegend, den Indexpatienten zu kennen, doch es muss auch untersucht werden, wie COVID-19 in andere Länder gelangte und weltweit verbreitet wurde.

In Europa könnte ein 33-jähriger Deutscher der erste Patient sein, der sich mit SARS-CoV-2 infizierte. Dies geht aus einem Artikel, der in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine (NEJM) veröffentlicht wurde, hervor. Diese Vermutung wirft verschiedene Fragen auf:

  • Wie infizierte sich dieser Patient?
  • Welche Transportmittel verwendete er während der Ansteckungsphase?
  • Mit wie vielen Menschen hatte er während der Inkubationszeit Kontakt?

Diese und viele weitere Zweifel, sollen mit der Suche nach dem Patient Null beantwortet werden. Wenn wir die Dynamik der globalen Pandemie kennen, wird die nächste Krise dieser Art die Regierungen und die Bevölkerung nicht mehr so überraschend und unvorbereitet treffen.

Wenn zum Beispiel entdeckt wird, dass sich 90 Prozent der ersten Patienten der einzelnen Länder durch eine Flugreise infizierten, muss dies in einer ähnlichen Situation als Erstes kontrolliert werden.

Das Grundwissen ist der Schlüssel für eine gute Prävention. Deshalb müssen wir dem Ursprung des SARS-CoV-2 auf den Grund gehen, es ist nicht ausreichend, strikte Schutzmaßnahmen zu treffen.

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