Allgemeine Anästhetika: Welche Arten gibt es?

30 Mai, 2020
Allgemeine Betäubungsmittel können inhaliert oder intravenös gespritzt werden. Sie werden immer von medizinischem Fachpersonal verabreicht. Zu berücksichtigen ist, dass sie verschiedene Nebenwirkungen auslösen können, die kontrolliert werden müssen, um Komplikationen zu vermeiden. 

Allgemeine Anästhetika oder Narkosemittel bestehen aus Wirkstoffen, die vor einer Operation oder bestimmten diagnostischen Maßnahmen zum Einsatz kommen, um die Verminderung oder Ausschaltung des Schmerzempfindens zu erreichen. Damit werden die Funktionen des Zentralnervensystems progressiv und auf kontrollierte Weise unterdrückt.

Durch die Betäubung mit einem Narkosemittel verliert die Person das Bewusstsein und reagiert nicht mehr auf schmerzvolle Reize. Sobald die Wirkung des Anästhetikums nachlässt, wacht der Patient wieder auf und spürt auch die Schmerzen wieder. 

Es gibt verschiedene Arten von Anästhetika, die jedoch alle dieselben Zwecke erfüllen:

  • Verminderung oder Ausschaltung des Schmerzempfindens
  • Ausschaltung der Reflexe
  • Komplette Betäubung, damit der Patient die Operation nicht spürt
  • Muskelentspannung
  • Verlust des Bewusstseins

All diese Effekte entstehen an verschiedenen Stellen des Zentralnervensystems, werden jedoch mit einem einzigen Arzneimittel erzielt, das eine hohe Konzentration erfordert. Deshalb kommen normalerweise Kombinationen zum Einsatz, um irreversible Effekte auf vitale Gehirnbereiche zu verhindern. 

Eigenschaften der allgemeinen Anästhetika

Trotz der wissenschaftlichen Fortschritte im Bereich der Betäubungsmittel sind noch nicht alle Details über die durch Narkosemittel betroffenen Gehirnstrukturen bekannt, insbesondere auf molekularer Ebene. Wir wissen, dass die Arzneimittel die Patienten betäuben und tiefgehende Prozesse verändern. 

Einige Auswirkungen der Anästhesie sind:

  • Die allgemeine Anästhesie wirkt unspezifisch auf die Neuronalmembran.
  • Als Meyer-Overton-Korrelation bezeichnet man die Korrelation der Wirkung dieser Arzneimittel mit ihrer Fettlöslichkeit. Das bedeutet, dass die Wirkung des Betäubungsmittels von seiner Affinität zu fettähnlichen Substanzen abhängt.
  • Es handelt sich um Arzneimittel, die auf die Proteinrezeptoren wirken.
  • Sie interagieren direkt mit den Spannungskanälen und den Ionenkanälen. 

Andererseits müssen bei der Verabreichung von Anästhetika insbesondere folgende drei Faktoren berücksichtigt werden:

  • Wie schnell die Anästhesie erfolgt,
  • wie lange eine bestimmte Dosis dauert und
  • die Stärke, Tiefe und Intensität der Anästhesie.
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Anästhetika können inhaliert oder intravenös injiziert werden.

Allgemeine Inhalationsanästhetika (volatile Anästhetika)

Diese Art von Narkosemitteln werden über die Atemwege inhaliert, um eine allgemeine Narkose zu erreichen. Diese Arzneimittel kommen in der Regel zur Aufrechterhaltung der Narkose in Kombination mit den intravenösen Induktoren zum Einsatz. 

Die Wirkkraft dieser Narkosemittel hängt vom Teildruck oder der Spannung ab, die das Anästhetikum im Gehirn erreicht. Normalerweise nähert man sich dem Partialdruck des Blutes. Einige Beispiele für diese Narkosemittel sind:

  • Stickstoffprotoxid
  • Halothan (in Deutschland nicht mehr im Handel)
  • Isofluoran
  • Desfluran
  • Sevofluoran

All diese Wirkstoffe werden über die Schleimhäute aufgenommen und gelangen dann ins Gehirn. Dieser Prozess erfolgt in verschiedenen Phasen:

  1. Inhalation: Je besser löslich das Narkosemittel, desto langsamer die Wirkung, da der Partialdruck im Blut langsamer ansteigt.
  2. Verteilung und Aufnahme in die Gewebe
  3. Ausleitung 

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Allgemeine Injektionsanästhetika (intravenöse Anästhetika)

Anästhetika
Nur medizinisches Fachpersonal kann ein Anästhetikum verabreichen.

Injektionsanästhetika werden intravenös appliziert, um die Narkose vor einem chirurgischen Eingriff einzuleiten. Es handelt sich um Arzneimittel, die eine Hypnose, Analgesie und Amnesie sowie die Muskelentspannung bewirken.

Die intravenöse Verabreichung wirkt sehr rasch, kann allerdings nicht so gut wie ein Inhalataionsanästhetikum kontrolliert werden. Der Narkosearzt berücksichtigt dabei die richtige Infusionsgeschwindigkeit.

Beispiele für Injektionsanästhetika sind:

  • Thiopental
  • Propofol
  • Etomidat
  • Ketamin

All diese Wirkstoffe können verschiedene Nebenwirkungen zur Folge haben, zum Beispiel Atemdepression, Apnoe, Muskelsteife, unscharfes Sehen, Stimmungsschwankungen usw.

Noch ein interessanter Artikel: Welche Arten von Nebenwirkungen gibt es bei der Einnahme von Arzneimitteln?

Abschließende Worte

Die allgemeine Anästhesie ist ein delikates Verfahren, das von einem erfahrenen Experten mit Vorsicht anzuwenden ist. Verschiedene Faktoren, wie die Dosis, sind besonders wichtig, denn die falsche Verwendung könnte für den Patienten tödlich verlaufen. Es gibt eine große Vielfalt an Narkosemitteln, die es ermöglichen, die Nebenwirkungen und damit verbundenen Risiken möglich gering zu halten.

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