Zwanghaftes Sexualverhalten

Zwanghaftes Sexualverhalten wird auch als Sexsucht oder Hypersexualität bezeichnet. Alles Wissenswerte über Ursachen und Behandlungsoptionen.
Zwanghaftes Sexualverhalten

Letzte Aktualisierung: 29. Juli 2021

Eine Person leidet an zwanghaftem Sexualverhalten, wenn sie wiederkehrende und übermäßige sexuelle Fantasien und Angst vor sexuellem Verhalten hat. Dies führt zu einer Impulsivität, die der Betroffene nur schwer kontrollieren kann. Obwohl einige Psychiater zwanghaftes Sexualverhalten bislang nicht als psychische Störung an sich betrachtet haben, wurde es inzwischen unter anderem von der WHO als solche anerkannt.

Zwanghaftes Sexualverhalten ist auch als Hypersexualität, Hypersexualitätsstörung oder Sexsucht bekannt.

Experten wissen nicht genau, wie viele Menschen auf der Welt unter zwanghaftem Sexualverhalten leiden. Einige vage Schätzungen in Industrieländern besagen, dass bis zu 5 % der Bevölkerung davon betroffen sein könnten.

Allerdings möchten wir auch darauf hinweisen, dass diese Störung schwer zu quantifizieren ist, da die Daten subjektiv sind. Mit anderen Worten, kein Labortest oder keine diagnostische Bildgebung kann bestätigen, dass eine Person an dieser Erkrankung leidet.

Diagnostische Kriterien für zwanghaftes Sexualverhalten oder Hypersexualität

Ein sexsüchtiger Mann.
Die Diagnose von zwanghaftem Sexualverhalten erfordert die Intervention eines Psychologen und eines Psychiaters.

Experten haben eine Reihe von Kriterien aufgestellt, um die Diagnose zu stellen und das Vorliegen dieser Krankheit festzustellen. Erstens: Der Patient muss über 18 Jahre alt sein.

Zweitens müssen die Symptome seit mindestens sechs Monaten bestehen. Dabei müssen wiederkehrende intensive sexuelle Fantasien und übermäßiges sexuelles Verlangen auftreten. Das bedeutet, dass die Person einen Großteil ihrer Zeit in Fantasien verbringt und diese auch plant und ausführt.

Dabei handelt es sich nicht um irgendeine sexuelle Fantasie, die jemand haben könnte. Das Suchtkriterium bedeutet, dass die Person aufgrund ihres Sexualverhaltens beginnt, wichtige Aspekte ihres Lebens zu vernachlässigen. Die Hypersexualität kann sich auf die sozialen und familiären Beziehungen sowie auf die Arbeit der Betroffenen auswirken.

Ein weiteres diagnostisches Kriterium ist, dass kein Medikament, das der Patient eingenommen hat, die Phantasien erklären kann. Darüber hinaus hat die Person möglicherweise versucht, ihre Impulse zu kontrollieren, was ihr aber nicht gelungen ist.

Zwanghaftes Sexualverhalten wird letztendlich von einem Psychiater diagnostiziert. Dabei geht es nicht nur darum, zu sehen, ob die “Kriterien” erfüllt sind. Der Experte muss den Patienten genau begutachten, um den Schweregrad der Störung zu bestimmen.

Die möglichen Ursachen für zwanghaftes Sexualverhalten

Die Ätiologie von zwanghaftem Sexualverhalten ist nach wie vor unklar. Dennoch scheint alles darauf hinzudeuten, dass der Ursprung der Störung im Gehirn und seinen Neurotransmittern liegt. Eine Veränderung der Neurotransmittermengen oder eine Veränderung der neuronalen Bahnen könnte die Ursache für Hypersexualität sein.

Die erste Hypothese besagt, dass ein Ungleichgewicht zwischen Dopamin, Serotonin und Noradrenalin im Gehirn besteht. Alle drei Substanzen regulieren die Stimmung zu jeder Zeit und jede minimale Veränderung könnte zu diesem Verhalten führen.

Eine andere Theorie besagt, dass sexuelle Fantasien die Belohnungsschaltkreise des Gehirns extrem stimulieren. Die tägliche Verstärkung dieser Befriedigung würde auf die gleiche Weise kanalisiert, wie andere Süchte entstehen, bis hin zu einer Toleranzentwicklung. Es wird also immer mehr von dem Reiz benötigt, um die gleiche Wirkung zu erzielen.

Einige der sekundären Ursachen sind Krankheiten, die die Gehirnarchitektur verändern. Epileptiker, Patienten mit vaskulärer Demenz oder Parkinson-Patienten können an zwanghaftem Sexualverhalten leiden.

Behandlung

Ein Patient in Therapie.
Psychotherapie ist eine Behandlung der Wahl bei zwanghaftem Sexualverhalten oder Hypersexualität. Einige Mediziner verschreiben auch Medikamente.

Diese Störung ist nicht leicht zu behandeln, da sie in der Regel eine Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie erfordert. Die Behandlung wird daher von Psychologen und Psychiatern vorgenommen.

Je nach Einzelfall kann der Therapeut dabei auf kognitiv-behaviorale oder psychodynamische Therapien zurückgreifen. Darüber hinaus sollte der oder die Therapeutin versuchen, den Betroffenen Instrumente an die Hand zu geben, die ihnen helfen, ihre wiederkehrenden Fantasien zu bewältigen, damit sie andere Aspekte ihres täglichen Lebens nicht vernachlässigen.

Bei der kognitiven Verhaltenstherapie geht es darum, den Zugang zu sexuellen Inhalten einzuschränken und Strategien zu entwickeln, um riskante Situationen zu vermeiden. Auch der Besuch von Selbsthilfegruppen und der Austausch mit anderen Betroffenen kann sich für die Patienten als hilfreich erweisen.

Was die medikamentöse Behandlung von zwanghaftem Sexualverhalten betrifft, so beruhen die therapeutischen Optionen auf Antidepressiva und zwei weiteren Medikamenten:

  • Antiandrogene. Diese Medikamente werden Männern verschrieben, um die Wirkung von Androgenen zu blockieren, bei denen es sich um natürliche männliche Sexualhormone handelt.
  • Naltrexon. Diese Substanz wird hauptsächlich bei Alkohol- und Morphiumsucht eingesetzt. Aufgrund seiner Fähigkeit, auf Belohnungsschaltkreise einzuwirken, kommt es jedoch auch bei anderen Suchterkrankungen zum Einsatz.

Zwanghaftes Sexualverhalten ist eine Sucht

Auch wenn die Experten noch diskutieren und forschen, halten die meisten von ihnen zwanghaftes Sexualverhalten für ein Suchtverhalten. Hypersexualität beeinträchtigt das tägliche Leben der Patienten und gefährdet ihr soziales Gefüge, einschließlich Familie, Freunde und Arbeit. Daher ist es für diese Patienten wichtig, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, damit ihr Verhalten sie nicht in die Isolation treibt.

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