Wo liegt das Geheimnis der Anziehungskraft?

· 8 November, 2016
Das Geheimnis der Anziehungskraft ist im Gehirn zu finden, das bewertet, ob eine gemeinsame neuronale Kommunikation vorhanden ist oder nicht.

Schon immer hat die Frage Interesse geweckt, warum eine Person auf eine andere Anziehungskraft ausübt oder nicht.

Natürlich spielen dabei die Umgebung, Werte und der Lebensstil eine wichtige Rolle und auch das äußere Erscheinungsbild ist nicht zu vergessen, doch das ist noch lange nicht alles.

Ein schönes Gesicht mag zwar attraktiv erscheinen, doch dies ist nicht die einzige Voraussetzung dafür, ob man jemanden als anziehend empfindet oder nicht.

Viele gehen davon aus, dass die Persönlichkeit und die Vorzüge der Person direkt dafür sorgen, dass diese auf jemanden eine ganz besondere Anziehungskraft ausübt.

In einer wissenschaftlichen Studie wurde nunmehr herausgefunden, dass ein sehr wichtiger Teil der Anziehungskraft im Kopf stattfindet und mit der Fähigkeit, Emotionen und Absichten anderer zu verstehen, zusammenhängt.

Forscher der Universität Lübeck konnten dies in einer neulich durchgeführten Studie, die in der Zeitschrift PNAS veröffentlicht wurde, nachweisen. Daraus geht hervor, dass je besser man die Gefühle einer anderen Person entziffern kann, umso attraktiver diese scheint. 

Die wahrhafte Anziehungskraft ist Kopfsache

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Nach der Analyse der neuronalen Mechanismen, welche die Attraktivität stimulieren, haben die Autoren der Studie herausgefunden, dass die Fähigkeit, Emotionen einer anderen Person lesen zu können, eine bedeutende Rolle in der Anziehungskraft spielt.

Silke Anders, Professorin für Soziale und Affektive Neurowissenschaften an der Universität zu Lübeck und Autorin der Studie, meint:

Die Fähigkeit, Absichten und Emotionen einer anderen Person zu verstehen, ist ausschlaggebend für eine erfolgreiche soziale Beziehung und Kooperation. 

Um allgemein erfolgreich zu sein, muss man die Absichten und Emotionen des Partners verstehen und Informationen kontinuierlich aktualisieren, dem Verhalten anderer zuvorkommen und das eigene Verhalten dementsprechend anpassen. 

Zu diesem Schluss gelangte die Wissenschaftlerin durch ein Experiment mit 90 Personen, die sich ein Video mit Frauen ansahen, die Angst und Traurigkeit ausdrückten.

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Nach dem Ansehen der Szenen mussten die Teilnehmer angeben, wie sich die Frau fühlte und wie sehr sie in ihre Antworten vertrauten.

Dabei untersuchten die Wissenschaftler die Gehirnaktivität, um die Anziehungskraft zu ermitteln.

Nach Vollendung der Aufgabe stellten die Forscher fest, dass die Teilnehmer die Frauen umso attraktiver fanden, je richtiger sie die Gefühle der Frauen einschätzen konnten.

Dies könnte darauf hinweisen, dass eine Person attraktiver erscheint, je besser ihre Emotionen gelesen werden können.

Dies ist darauf zurückzuführen, dass das Belohnungszentrum in Gehirn aktiviert wird, was wiederum zu einem Gefühl des Wohlbehangens führt.

Sehr interessant bei dieser Studie ist die Funktion, die das Gehirn der beiden involvierten Personen ausübt.

Die Fähigkeit, eine andere Person zu verstehen und genau zu interpretieren, was diese fühlt, hängt von der neuronalen Aktivität ab, die bei dem Gefühl der Attraktivität aktiv ist.

Wenn beispielsweise eine Person Angst oder Traurigkeit im Gesicht ausdrückt und der Betrachter dies effizient im Gehirn verarbeitet, reagiert das Belohnungssystem und der Betrachter fühlt sich zu der Person hingezogen.

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Bei der Auswertung vorangehender Studien konnte ein Unterschied zwischen den neuronalen Schaltkreisen der Einzelpersonen festgestellt werden: Wer die Fähigkeit, Gefühle zu „lesen“ nicht besitzt, hat Kommunikationsprobleme und tut sich schwer damit, Attraktivität zu fühlen.

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Deshalb deuten verschiedene Wissenschaftler darauf hin, dass wenn die Kommunikation zwischen zwei Personen nicht funktioniert, das nicht unbedingt bedeutet, dass kein Interesse vorhanden ist, sondern dass das „neuronale Wörterbuch“ zu wenig übereinstimmt, um Verständnis zu erreichen.

Anders gibt zu, dass es sich nur um eine kleine Studie handelt und deshalb keine kategorischen Behauptungen aufgestellt werden können.

Sie drückt jedoch ihren Wunsch aus, genauer zu analysieren, wie das Verständnis der Emotionen anderer Menschen sich mit der Zeit verändert und ob die Möglichkeit besteht, die emotionale „Lektüre“ mit Erfahrung zwischen den Kommunikationspartnern zu verbessern. 

Darüber hinaus wäre es gut zu erforschen, ob die Fähigkeit, andere zu verstehen, auf die eigenen Eigenschaften zurückzuführen ist oder ob es noch andere Faktoren gibt, die eine Kompatibilität beeinflussen.

Die Ergebnisse dieser Studie tragen auf jeden Fall dazu bei, besser zu verstehen, warum sich zwei Personen gegenseitig anziehen oder warum dies nicht der Fall ist.

 

Quelle: Zeitschrift TIME.