Wichtige Aspekte über Epilepsie und Stillzeit

14 September, 2020
Frauen mit Epilepsie machen sich meist viele Gedanken, bevor sie sich für eine Schwangerschaft entscheiden. Auch in der Stillzeit kommen immer wieder Fragen auf. In unserem heutigen Artikel dreht sich alles um dieses Thema.

In der Regel empfehlen Ärzte epileptischen Müttern, ihre Kinder zu stillen. Antiepileptika sind normalerweise sicher und haben für das Baby keine negativen Effekte. Erfahre heute, was du in diesem Fall in der Stillzeit berücksichtigen solltest, um auf Nummer sicher zu gehen.

Viele Mütter mit Epilepsie machen sich Gedanken darüber, ob wohl die Medikamente, die sie einnehmen, ihrem kleinen Baby über die Muttermilch Schaden zufügen könnten. Es ist wichtig, dieses Thema mit dem behandelnden Arzt zu besprechen. In diesem Artikel findest du nur allgemeine Ratschläge, doch dein Arzt kann dich individuell beraten.

Allgemeines über Epilepsie

Epilepsie ist eine chronisch-neurologische Krankheit. Bei einem epileptischen Anfall kommt die Impulsabstimmung großer Gruppen von Nervenzellen aus dem Gleichgewicht, die sich synchron entladen. Die epileptische Krise tritt plötzlich auf und führt zu Veränderungen des Bewusstseins, der Wahrnehmung und des Verhaltens. Die Muskeln spannen sich an und verkrampfen sich. Je nach Anfallsform variieren die Symptome.

Wichtig ist allerdings, zwischen Epilepsie und epileptischem Anfall zu differenzieren. Ein einzelner Anfall ist noch kein Anlass für die Diagnose Epilepsie. Bei Epilepsie bestehen vorhergehende Veränderungen im Gehirn, die nicht korrigiert werden können. 

Außerdem gibt es verschiedene Formen dieser Krankheit, die unterschiedlich behandelt werden und auch in der Prognose variieren. Die Behandlung erfolgt in der Regel durch spezifische Antiepileptika und ist in den meisten Fällen sehr erfolgreich. 

Epilepsie in der Stillzeit
Die synchrone Entladung großer Gruppen von Nervenzellen führt zu einer epileptischen Krise.

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Behandlungsmöglichkeiten

Wie bereits erwähnt, erfolgt die Behandlung eines Epileptikers in der Regel durch Antiepileptika. Im Idealfall kann dadurch weiteren Anfällen vorgebeugt werden, ohne oder mit nur sehr geringen Nebenwirkungen. Vorzugsweise kommt nur ein einziges Medikament zum Einsatz. Die Minimaldosis ist in der Monotherapie normalerweise sehr effizient.

Der Arzt verabreicht dem Patienten anfangs eine geringe Dosis eines Arzneimittels, die er dann nach Bedarf allmählich steigert. In manchen Fällen ist dies jedoch nicht ausreichend, dann kann auch mehr als ein einziges Medikament notwendig sein.

Die Behandlung muss auf jeden Patienten richtig eingestellt werden, was einige Zeit erfordern kann. Der Arzt untersucht den Patienten und die Auswirkungen der Medikation (z. B. Blutanalyse), um die richtige Dosierung zu finden.

Epilepsie und Stillzeit

Der Arzt überprüft während der Schwangerschaft die Konzentration des Antiepileptikums im Blut, denn in dieser Zeit kann es zu Veränderungen kommen. Darüber hinaus muss das größere Risiko für eine Krise berücksichtigt werden. Deshalb ist die richtige Dosierung und Messung für die werdende Mutter und ihr Kind sehr wichtig.
Nach der Geburt des Kindes sind ebenfalls verschiedene Aspekte zu berücksichtigen, die während der Stillzeit ganz besonders wichtig sind:
  • Dosierung des Antiepileptikums: In der Regel stellt der Arzt die Dosierung neu ein. Das Ziel ist immer eine minimale Dosis.
  • Mögliche epileptische Krisen: Die werdende Mutter sollte versuchen, Schlafmangel zu vermeiden, denn dadurch könnte ein Anfall ausgelöst werden.
  • Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz des Babys: Von Co-Sleeping im Familienbett ist in diesem Fall abzuraten. Außerdem sollte beim Baden des Babys wenn möglich noch eine andere Person anwesend sein.

Wie bereits erwähnt, schließt Epilepsie das Stillen des Babys normalerweise nicht aus. Ganz im Gegenteil: Wann immer möglich, empfiehlt es sich, das Baby sechs Monate lang ausschließlich mit Muttermilch zu nähren und danach die Nahrung zwei Jahre lang mit Muttermilch zu ergänzen.

Antiepileptika und Stillzeit

Antiepileptika und Stillzeit 
Manche Medikamente sind in der Stillzeit erlaubt, andere sind nicht kompatibel. Du solltest dich immer von deinem Arzt beraten lassen.

Es gibt eine lange Liste mit Antiepileptika, die häufig zum Einsatz kommen. Diese gehen in unterschiedlichen Konzentrationen in die Muttermilch über. Trotzdem konnten keine negativen Auswirkungen auf die gestillten Babys festgestellt werden. Manche Medikamente sind in der Muttermilch nur in sehr geringen Mengen nachzuweisen, doch dies ist nicht bei allen der Fall.

Der behandelnde Neurologe entscheidet, welches Arzneimittel im Einzelfall zur Anwendung kommt. Die Mutter ist dafür verantwortlich, die genaue Dosis einzuhalten, die oft in zwei Tagesmengen aufgeteilt wird. Sie sollte außerdem nach der Einnahme des Arzneimittels einige Stunden verstreichen lassen, bis sie ihr Kind stillt.

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Epilepsie und Stillzeit: Ist die Muttermilch für das Baby trotz Medikation der Mutter sicher?

Wenn die Konzentration des Arzneistoffes in der Muttermilch hoch ist, kann das Baby an vermehrter Schläfrigkeit leiden und Schwierigkeiten beim Saugen haben. Außerdem kann es auch reizbarer sein. Deshalb ist die strikte Kontrolle der Dosierung grundlegend.

Abschließend möchten wir noch einmal betonen, dass die regelmäßige Kontrolle durch einen Neurologen während der Schwangerschaft und Stillzeit einer epileptischen Mutter grundlegend ist, um die Gesundheit des Kindes und der Mutter zu garantieren. Nur ein Arzt kann die Dosierung des Arzneimittels bestimmen und die Einnahme falls nötig unterbrechen.

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