Welche Arten von Zerebralparese gibt es?

Die Zerebralparese ist eine schwere und komplexe Krankheit. Erfahre heute, wie sie wissenschaftlich klassifiziert wird, um die Diagnose und Behandlung zu erleichtern.
Welche Arten von Zerebralparese gibt es?

Letzte Aktualisierung: 22. November 2020

Die Zerebralparese wird medizinisch in verschiedene Arten klassifiziert, um die Diagnose und Behandlung zu erleichtern. Es handelt sich allerdings immer um eine ernste Krankheit, besonders wenn sie in der Kindheit auftritt.

Die Bezeichnung Zerebralparese fasst frühkindliche Gehirnstörungen zusammen, welche die Beweglichkeit der Muskeln beeinträchtigen. Abhängend von der Lokalisation der Störungen können die Auswirkungen verschiedener Ausprägung sein. Die Klassifizierung erfolgt abhängend von der Körperhaltung, der Lokalisation und dem Schweregrad der Krankheit.

Muskelsteife und Körperhaltung

Diese Art der Einteilung richtet sich nach der Körperhaltung, welche die betroffene Person am häufigsten einnimmt. Dafür ist die Muskelspannung ausschlaggebend, weil deren Veränderung Spasmen, unwillkürliche Bewegungen oder Ataxien auslöst.

Ein Mädchen mit Zerebralparese
Die Zerebralparese entsteht durch eine Schädigung im Gehirn, welche die Beweglichkeit der Muskeln beeinflusst.

Spastische Zerebralparese

Dies ist die häufigste Art von Zerebralparese. Charakteristische Symptome sind Muskelsteife (Spastik) und Muskelschwäche, die unterschiedliche Körperteile betreffen können. Betroffene können normalerweise nicht oder nicht richtig gehen.

Typisch für diese Art der Zerebralparese ist der sogenannte Scherengang, bei dem Kinder die Beine beim Gehen überkreuzen, ohne die Knie zu beugen. Bei dieser Lähmung kommt es zum Verlust der Muskelmasse. Auch schielende, wandernde und rollende Augen sowie andere Sehstörungen sind typisch.

Hypotone Zerebralparese

Diese Art der Zerebralparese beruht auf einer zu niedrigen Grundspannung der Muskulatur (Hypotonie). In der Folge sind die Bewegungen unharmonisch und unsicher, Betroffene können sich nicht aufrecht halten. Darüber hinaus stellt die Atmungsdynamik ein lebensbedrohliches Risiko dar. Betroffene Kinder und Erwachsene haben Schwierigkeiten mit der Bewegung des Brustkorbs.

Athetotische Zerebralparese

Diese Art der Zerebralparese äußert sich durch ungeordnete Bewegungen des gesamten Körpers. Die Arme, Beine und der Körper bewegen sich langsam und unwillkürlich. Häufig ist davon auch die Zunge betroffen. Des Weiteren kann sich der Gesichtsausdruck bei einem Spasmus abrupt verändern.

Ataktische Zerebralparese

Sie ist der athetotischen Zerebralparese ähnlich, tritt jedoch seltener auf. Die Bewegungen sind unwillkürlich und unkoordiniert. Für Betroffene ist es eine Herausforderung, das Gleichgewicht beim Sitzen oder Stehen zu halten.

Mischform

Die Mischform ist eine Kombination der beschriebenen Arten. Meist handelt es sich um das gleichzeitige Auftreten von spastischen und athetotischen Formen, wobei häufig auch intellektuelle Behinderungen vorliegen.

Arten der Zerebralparese nach der Lokalisation

Abhängend von der auslösenden Lokalisation unterscheidet man folgende Arten:

  • Hemiparese: Nur eine Körperhälfte ist von einer leichten und unvollständigen Lähmung eines Muskels, einer Muskelgruppe oder einer Extremität betroffen.
  • Paraparese: In diesem Fall sind die unteren Extremitäten beidseitig inkomplett gelähmt.
  • Tetraparese: Es handelt sich um eine Lähmung aller vier Extremitäten.
  • Diparese: In diesem Fall sind zwei Extremitäten teilweise gelähmt, zum Beispiel ein Bein und ein Arm. Es kanns sich allerdings auch um ein Extremitätenpaar handeln.
  • MonopareseEs handelt sich um die Lähmung einer Extremität oder eines Abschnitts einer Extremität.
EIne Frau mit einem Kind mit Zerebralparese
Die Zerebralparese wird auch nach verursachender Lokalisation klassifiziert.

Nach dem Schweregrad

Diese Art, die Zerebralparese zu klassifizieren basiert auf internationalem Konsens, was im “Gross Motor Function Classification System” (kurz GMFCS) festgehalten wird.  Es handelt sich dabei um ein Abkommen zwischen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Gruppe “Surveillance of Cerebral Palsy in Europe” (SCPE).

Auf diesen Kriterien basierend können wir von folgenden Typen sprechen:

  • Leichte Form: Es handelt sich um einen Patienten, der gehen kann, wenn auch mit gewissen Einschränkungen. Ebenso fallen darunter auch die Personen, die sich ohne zu laufen fortbewegen können mit der Hilfe von externen Hilfsmitteln wie Krücken oder Rollstühlen.
  • Moderate Variante: Betroffene Patienten benötigen die Hilfe Dritter, um Bewegungsabläufe wie Aufstehen und Hinsetzen zu bewältigen. Der Rollstuhl ist fast immer präsent, sie können diesen jedoch (vor allem in Innenräumen) alleine betätigen.
  • Schwerwiegende Zerebralparese: Die schwerwiegendste Form ist diejenige, bei welcher der Patient den Kopf nicht aufrecht halten kann, weshalb er bei allen Aktivitäten des täglichen Lebens permanent auf Dritte angewiesen ist.

Abschließende Bemerkung

Jede Art der Klassifikation erfüllt verschiedene Zwecke und ist in der Diagnose und/oder Rehabilitation nützlich. Nach der richtigen Diagnose muss ein Rehabilitationsplan erstellt werden, um die Lebensqualität des betroffenen Patienten zu verbessern. Dies erreicht man mit Physiotherapie, psychosozialer Hilfe, einem Unterstützungsnetzwerk und medizinischen Behandlungen.

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