Symptomatische Divertikelstenose: Der Grund für die Hospitalisierung von Papst Franziskus

In unserem heutigen Artikel geht es um die symptomatische Divertikelstenose, wegen der auch Papst Franziskus im Juli 2021 im Krankenhaus behandelt wurde. Wir erläutern die Problematik und zeigen auf, welche Risikofaktoren zu der Erkrankung beigetragen haben können und wie sie normalerweise behandelt wird.
Symptomatische Divertikelstenose: Der Grund für die Hospitalisierung von Papst Franziskus

Letzte Aktualisierung: 07. Oktober 2021

Die symptomatische Divertikelstenose von Papst Franziskus sorgte weltweit für Schlagzeilen, da er Anfang Juli 2021 deswegen ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Es handelte sich allerdings nicht um einen Notfall, sondern nur um einen geplanten Eingriff, um seine Lebensqualität zu verbessern.

Diese Beeinträchtigung des Verdauungssystems ist bei älteren Menschen häufig. Je älter man wird, desto häufiger tritt sie auf. In der Tat sind die meisten Fälle asymptomatisch, obwohl sich einige als Bauchschmerzen oder Veränderungen beim Stuhlgang bemerkbar machen.

Im Fall von Papst Franziskus ist die Erkrankung das Ergebnis einer etwas komplexeren Entwicklung als normal. Deshalb musste er operiert werden, obwohl es sich nicht um einen großen Eingriff handelte.

In unserem heutigen Artikel werden wir die symptomatische Divertikelstenose ausführlicher behandeln.

Symptomatische Divertikelstenose und Divertikulose

Dickdarmdivertikel sind kleine Ausstülpungen, die sich in der Wand dieses Organs bilden. Der Dickdarm ist der letzte Teil des Verdauungstrakts, der für die Entwässerung des Fäkalbolus verantwortlich ist, um die Abfälle (Fäkalien) zu bilden.

Diese Ausstülpungen in der Darmwand ragen nach außen und schaffen einen Raum, der Substanzen aufnehmen, sich infizieren oder sogar perforieren kann. Diese Komplikationen sind selten, aber einige Faktoren erhöhen das Risiko.

Wenn jemand mehrere Divertikel hat, liegt eine Divertikulose vor. Bei Menschen unter 40 Jahren ist dies eher selten, aber mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit. Das geht so weit, dass die Hälfte aller Menschen über 60 Jahre daran erkrankt.

Der Mechanismus, der die Entstehung erklärt, bezieht sich auf den Druck im Inneren des Verdauungstrakts. Wenn dieser Druck im Lumen des Dickdarms zunimmt, stülpen sich die Schleimhaut und die Submukosa der Organwand nach außen. Infolgedessen bildet sich ein Divertikel, meist in Bereichen, in denen die anatomische Struktur schwächer ist.

symptomatische Divertikelstenose - Schaubild mit Darm
Der Dickdarm ist der letzte Teil des Verdauungstrakts vor dem Enddarm, in dem sich die Fäkalien zur Ausscheidung verfestigen.

Risikofaktoren für Divertikulose

Das Alter ist eindeutig ein Risikofaktor für die Bildung von Divertikeln im Dickdarm. Dennoch gibt es neben dem Alter noch andere Faktoren. Diese hängen aber insbesondere mit der asymptomatischen Divertikulose zusammen und weniger mit der symptomatischen Divertikelstenose – wie im Fall von Papst Franziskus.

Es gibt unter anderem folgende Risikofaktoren:

  • Ballaststoffarme Ernährung: Ballaststoffe regen die Peristaltik (Darmtätigkeit) an, so dass eine Ernährung, die wenig pflanzliche Bestandteile und Ballaststoffe enthält, zu Verstopfung führt, was den Druck im Dickdarm erhöht. Im Allgemeinen verzehren Menschen, die sich auf diese Weise ernähren, mehr tierische Produkte, die gesättigte Fette enthalten.
  • Der Mangel an körperlicher Betätigung verringert ebenfalls die Peristaltik und hat den gleichen Effekt wie der Mangel an Ballaststoffen.
  • Auch Übergewicht ist eng mit Divertikulose verbunden. Dies kann auf die beiden oben genannten Gewohnheiten zurückzuführen sein: eine ballaststoffarme Ernährung und eine sitzende Lebensweise.
  • Eine der vielen negativen Auswirkungen des Rauchens auf die Gesundheit ist das erhöhte Risiko von Divertikeln. Das liegt daran, dass diese schädliche Gewohnheit das Auftreten von Infektionen erhöht. Der Name für diese Erkrankung ist Divertikulitis.

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Symptomatische Divertikelstenose als Komplikation einer Divertikulitis

Papst Franziskus wurde wegen einer symptomatischen Divertikelstenose operiert, weil er bereits eine Divertikulose hatte. Die meisten Patienten haben keine Symptome oder Anzeichen für Divertikel und viele sind sich der Erkrankung noch nicht einmal bewusst.

Die häufigste Komplikation ist die Divertikulitis. Dabei handelt es sich um eine Entzündung der bestehenden Einstülpungen (Divertikel), die durch eine lokale Reizung, die Ansammlung von Fäkalien oder eine Infektion verursacht wird. Bei etwa einem Viertel der Patienten mit Divertikulitis treten Komplikationen auf, die auf einen der folgenden Prozesse zurückzuführen sind:

  • Der Eiter umschließt teilweise den Dickdarm, was zu einer größeren Eiteransammlung führen kann, wenn sich das Divertikel infiziert und perforiert wird.
  • Eine Fistel ist eine Verbindung zwischen zwei Hohlorganen oder zwischen einem inneren Teil des Körpers und der Außenwelt. Ein infiziertes, perforiertes Divertikel kann einen abnormen Gang bilden, der den Dickdarm mit dem Dünndarm oder den Dickdarm mit der Blase verbindet.
  • Eine Bauchfellentzündung ist ein ernstes Problem. Der Eiter aus den infizierten Divertikeln kann in die Bauchhöhle gelangen und einen klinischen Zustand hervorrufen, der dringend behandelt werden muss, sofern sich kein abgekapselter Abszess bildet oder eine Fistel nicht geschlossen wird
  • Bei einer Obstruktion oder Stenose, wie sie Papst Franziskus hatte, handelt es sich um einen Verschluss des Dickdarmlumens aufgrund einer Entzündung oder Vernarbung der Darmwand. Dies äußert sich in der Regel durch Schmerzen und Veränderungen im Darmrhythmus. Außerdem kann es zu Fieber kommen, wenn sich die Komplikation während einer aktiven Infektion entwickelt.
Symptomatische Divertikelstenose - Operation
Chirurgische Eingriffe bei derartigen Komplikationen werden meist laparoskopisch durchgeführt. Dadurch verringern sich die Risiken.

Behandlung der symptomatischen Divertikelstenose

Nachdem die Ärzte festgestellt hatten, dass bei Papst Franziskus eine symptomatische Divertikelstenose vorlag, entschieden sie sich für eine geplante Operation, um diese zu beheben. Dieser Eingriff wird notwendig, wenn die Symptome spürbar sind und die Ärzte prognostizieren können, dass sich die Verstopfung nicht spontan auflösen wird.

Außerdem ist es wahrscheinlich, dass der behandelnde Arzt Antibiotika verschreibt, um eine bestehende Infektion zu bekämpfen. Auf diese Weise werden alle Faktoren berücksichtigt und der Patient verfügt wieder über eine normale Darmfunktion.

Heutzutage werden diese Operationen laparoskopisch durchgeführt, so dass der Eingriff minimalinvasiv ist und die Genesung danach nicht allzu lange dauert. Natürlich sind in den folgenden Tagen hygienische und diätetische Unterstützungsmaßnahmen sowie einige Änderungen der Lebensgewohnheiten erforderlich.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Prognose gut ist, wenn der Patient keine Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) hat und sein Immunsystem gut funktioniert. Dennoch kann es zu Rezidiven kommen, und die restlichen Divertikel sind weiterhin vorhanden. Allerdings kommt es nur bei einem kleinen Teil der Betroffenen zu wiederholten Episoden der Obstipation.

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