Seeding: Bakteriendusche für Kaiserschnitt-Babys

· 9 Juni, 2016
Bei dieser neuen Technik werden Babys nach dem Kaiserschnitt mit den Vaginalbakterien ihrer Mutter eingerieben, damit sie in Kontakt mit den schützenden Mikororganismen treten.

Einer der Hauptunterschiede zwischen Vaginalgeburt und Kaiserschnitt ist der Kontakt mit Mikrobiomen.

Während das Baby bei einer Vaginalgeburt mit der Bakterienflora der Scheide der Mutter in Kontakt kommt, fehlt dieser bei einem Kaiserschnitt vollkommen, bei dem es nur mit den Hautbakterien in Berührung kommt.

Der Kontakt des Babys mit den Mikroorganismen bei einer Vaginalgeburt stärkt das Verdauungssystem, den Stoffwechsel und das Immunsystem, weshalb sich Experten die Frage gestellt haben, ob Kaiserschnitt-Babys ungeschützt bleiben.

Um dies festzustellen und eine Methode zu finden, die den Babys trotz Kaiserschnitt ermöglicht, die Mutterbakterien zu erhalten, hat ein Wissenschaftlerteam der USA eine neue Technik entwickelt.

Dabei wird eine Gaze mit Vaginalbakterien der werdenden Mutter besiedelt, um das Neugeborene damit gleich nach dem Kaiserschnitt einzureiben.

Die Studie

Baby wird untersucht

Um festzustellen, ob das Auftragen der Vaginalbakterien positive Auswirkungen auf Kaiserschnittbabys hat, hat das Wissenschaftlerteam 18 Babys untersucht: 7 wurden auf natürliche Weise geboren, 11 durch Kaiserschnitt, davon wurden 4 Babys mit dieser neuen Methode behandelt.

Nach 1 Monat wurden die Babys untersucht und es wurde festgestellt, dass die Kaiserschnitt-Babys, die eine Bakteriendusche erhielten, ähnliche Charakteristika, wie natürlich geborene Babys, aufwiesen.

Die Mikrobiomübertragung ist bei diesem Verfahren jedoch nicht komplett.

Dies wird wie folgt erklärt: Vor der Geburt entwickeln sich die Babys in einem bakterienfreien Umfeld. Erst wenn sie durch den Geburtskanal passieren, kommen sie in Kontakt mit den Mikroorganismen der Mutter.

Dies ist äußerst wichtig, doch bei einem Kaiserschnitt bleibt der Kontakt mit den Vaginalbakterien aus und das Baby erhält ein ganz anderes Mikrobiom, als bei einer Vaginalgeburt.

Verschiedene Wissenschaftler sind sich einig, dass die Bakterienflora der Mutter den Babys hilft, den Befall von schädlichen Bakterien zu verhindern und somit das Baby auch schützt.

Die Vaginalbakterien sind also der erste Schutz, der ein Neugeborenes erhält, was unentbehrlich für die Entwicklung eines starken Immunsystems ist.

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Vorstudie

Wissenschaftliche Studie

Da die Kosten dieser Behandlung sehr gering sind, könnte diese in Zukunft problemlos regelmäßig eingesetzt werden.

Die Wissenschaftler weisen jedoch darauf hin, dass die Studie noch erweitert werden muss, um festzustellen, welche genauen Vorteile eine Bakteriendusche dem Neugeborenen bringt.

Diese Pilotstudie wurde durchgeführt, um herauszufinden, ob die Methode sicher und ausführbar ist, was sich erwiesen hat.

Die Kaiserschnittgeburten steigen an

Narbe eines Kaiserschnittes

Die Weltgesundheitsorganisation versichert, dass nur 10-15% der Geburten einen Kaiserschnitt benötigen, um das Leben der Mutter oder des Babys zu schützen.

Nichtsdestotrotz wurden 2013 z. B. in Spanien 27,3% der Babys durch ein Kaiserschnitt geboren. In anderen Ländern ist die Prozentzahl sogar weitaus höher. Kolumbien, z.B. registrierte 43,4%, Mexiko 46,2% und Brasilien 55,6% der Geburten.

Auffällig ist, dass parallel zu diesem Anstieg auch die Immunsystemstörungen anstiegen, wie Asthma, jugendliche Arthritis oder verschiedenartige Darmentzündungen.

Viele dieser Erkrankungen haben eine Ernährungsveränderung oder die Einnahme von Antibiotika als Ursache, jedoch wird eine Störung des Mikrobioms nicht ausgeschlossen, da die Rate bei Kaiserschnittgeburten höher ist.

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Es muss jedoch noch vieles im Zusammenhang mit der Beziehung zwischen Geburt, Bakterien und Erkrankungen erforscht werden.