„Ich halte die Schule nicht länger aus“. 11-jähriges Kind begeht Selbstmord wegen Bullying

· 21 Januar, 2016
Nicht nur Werte wie Respekt und Toleranz sind in der Erziehung unserer Kinder wichtig. Sie müssen auch lernen, Opfern zu helfen und alles in ihrer Kraft Stehende zu tun, um diesen die Illusion und Lebenslust zurückzugeben.

Heute geht es um eine traurige Geschichte zum Nachdenken: Diego, ein 11-jähriger spanischer Junge hat sich am 14. Oktober das Leben genommen. Warum? Bullying in der Schule hat ihn soweit gebracht.

Wir alle wissen, was Bullying ist und was diese physische und psychologische Aggressionen im Leben eines Kindes bedeuten können. Doch wie kann es dazu kommen, dass sich ein 11-Jähriger gezwungen sieht, eine so drastische Entscheidung zu treffen? Nicht nur der Verlust eines jungen Menschen lässt uns aufhören, es stellt sich auch die Frage, warum Institutionen wie die Schule oder Sozialeinrichtungen die Realität Diegos nicht erkannten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlichte vor kurzem einen Bericht, in dem festgehalten wird, dass sich jedes Jahr rund 600 000 junge Menschen im Alter zwischen 14 und 28 Jahren das Leben nehmen, mindestens die Hälfte davon aufgrund von Bullying oder Mobbing.

Dieses soziale Drama macht uns bewusst, dass wir alles Menschenmögliche unternehmen müssen, um Strategien zu entwickeln, die weitere Tragödien verhindern können.

Heute geht es um Diego, ein Kind aus Madrid, das im Tod den einzigen Ausweg für seine Probleme sah.

Mobbying in der Schule und Abschied von einem ganz besonderen Kind

Eltern von Diego

Diego lebte in Legenés, einer Vorstadt von Madrid, wo er 11 Jahre seines Lebens verbrachte. Bis er nicht mehr konnte, nicht mehr leben wollte und beschloss, mit dem Leiden, dem Druck und mit den Schickanen in der Schule Schluss zu machen.

Er fasste den Entschluss, vom Balkon seiner elterlichen Wohnung im 5. Stock zu springen. Manche denken, dass Selbstmord das Resultat von Feigheit ist, da die Opfer nicht wissen, wie sie mit den Schwierigkeiten des Lebens fertig werden sollen. Doch niemand hat das Recht, jemanden zu kritisieren oder abzustempeln, der einen derart drastischen Schritt wagt.

In diesem Fall handelt es sich um ein Kind, was noch schockierender und schwerwiegender ist. Die Eltern von Diego haben die schwere Entscheidung getroffen, den Abschiedsbrief ihres geliebten Sohnes zu veröffentlichen, um sein tragisches Schicksal bei den zuständigen Behördern in Madrid anzuklagen.

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Diego war ein guter Schüler, der nicht in die Schule wollte

Diego brachte gute Noten nach Hause, war fleißig und seine Eltern waren stolz auf ihn. Seine Mutter erzählt, dass er es immer eilig hatte, von der Schule wegzukommen, wenn sie ihn abholte, so als ob er vor etwas oder vor jemandem flüchten wolle.

Er war nur im Sommer glücklich, wenn die Ferien begannen und er nicht mehr in die Schule musste. Die Eltern erinnern sich auch daran, dass er 4 Monate lang heiser war. Der Arzt diagnostizierte eine nervöse Heiserkeit, die durch eine hohe Belastung verursacht wurde.

  • Der Familie war nie bewusst, was Diego fürchtete oder wie seine Wirklichkeit in der Schule genau aussah.
  • Nachdem eine Untersuchung in der Schule eingeleitet wurde, erklärte diese, dass keine Probleme bekannt waren und auch kein Vorfall angezeigt worden war.

Nicht immer sind die Möglichkeiten einer Schule, Mobbying zu erkennen, ausreichend, doch was offensichtlich ist, ist die Traurigkeit eines Kindes. Sowohl die Lehrer als auch die Schüler beobachten diese, hören und schweigen.

Bis jetzt gibt es keinen Verantwortlichen für den Tod von Diego, deshalb versuchen die Eltern uns allen das Ausmaß der Schickanen und Aggressionen bewusst zu machen, die ihren Sohn dazu brachten, sich das Leben zu nehmen.

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Der Abschiedsbrief von Diego

Stop Bullying

Diego schrieb seinen Eltern einen Abschiedsbrief. Er hinterließ am Fensterbrett, von dem er sich in den Tod stürzte, einen Zettel, auf dem „schaut bei Lucho“ geschrieben stand.

Lucho war das Lieblingsplüschtier von Diego, das verschwiegen die letzten Worte dieses 11-jährigen Jungen in sich barg, mit denen dieser sich von seiner Familie verabschiedete – reif, bewundernswert und ergreifend. Denn Diego war ohne Zweifel ein ganz besonderes Kind.

In Diegos Abschiedsbrief war Folgendes zu lesen:

Papa, Mama, diese 11 Jahre mit euch waren wunderbar und ich werde sie nie vergessen, so wie ich auch euch nie vergessen werde. Papa, du hast mich gelehrt, ein guter Mensch zu sein, Versprechungen zu halten und du hast sehr viel mit mir gespielt. Mama, du hast dich sehr um mich gekümmert und mich überall mitgenommen. Ihr seid beide wunderbar und zusammen die besten Eltern der Welt.

Oma, du hast viel ertragen wegen mir und wegen Papa, ich bin dir dafür sehr dankbar und ich liebe dich sehr. Opa, du warst immer sehr großzügig mit mir und hast dich um mich gesorgt. Ich liebe dich sehr. Lolo, du hast mir viel mit meinen Hausaufgaben geholfen und mich gut behandelt.

Ich wünsche dir Glück, damit du Eli sehen kannst. Ich sage euch das, weil ich es nicht mehr ertrage, in die Schule zu gehen und es keinen anderen Weg gibt, nicht mehr dahin zu gehen. Bitte, ich hoffe, dass ihr mich eines Tages ein bisschen weniger hassen werdet. Ich bitte euch, dass ihr euch nicht trennt, Papa und Mama, nur wenn ihr zusammen seid, werde ich glücklich sein.

Ich werde euch vermissen und ich hoffe, dass wir uns eines Tages im Himmel wieder sehen werden. Nun gut, ich verabschiede mich für immer.

Unterzeichnet von Diego. Ah, noch etwas, Oma, ich hoffe, dass du bald Arbeit findest.“

Diego González.Brief von Diego - Bullying

Es ist unmöglich, diese Zeilen zu lesen, ohne davon betroffen zu sein, sich in die Lage der Eltern zu versetzen und mit ihnen mitzufühlen. Es ist wichtig, dass wir alle im Rahmen unserer Möglichkeiten und unserer Realität gegen Bullying kämpfen und die Opfer schützen:

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  • Es ist ausschlaggebend, unsere Kinder mit emotionaler Intelligenz zu erziehen, ihnen Mitgefühl und Respekt anderen gegenüber und sich selbst gegenüber zu lehren.
  • Aggressives Verhalten in der Schule, auf der Straße oder zu Hause muss erkannt und angezeigt werden.
  • Die Opfer müssen betreut werden, ohne sie auszuschließen oder auszugrenzen. Es ist notwendig, ihnen Strategien zu vermitteln, um der Situation Herr zu werden, ihr Selbstwertgefühl zu stärken und zu erreichen, dass sie wieder Freude am Leben und ihrer Zukunft haben und Träume schmieden können.
  • Mobbying passiert nicht nur in der Schule, auch über soziale Netzwerke können Druck und Aggressionen ausgeübt werden, und auch hier haben Kinder meist freien Zugang.

Wir wissen, dass Diego nicht der Letzte sein wird, der freiwillig den Tod sucht, denn die Zahlen der WHO sind schockierend, doch wir hoffen zumindest, dass sich diese jedes Jahr reduzieren werden und wir alle dazu beitragen können, dies zu erreichen.