Die Überlebenskünstlerin Violett Jessop

· 24 März, 2015
Nach den ersten Schiffsunglücken blieb Violet aufgrund der Traumata mehrere Monate lang arbeitsunfähig.

Unglaublich aber wahr: Die Krankenschwester Violett Jessop hat drei Schiffskatastrophen überlebt – sie war an Bord der Olympic, der Titanic und der Britannic und entrann drei Mal nur ganz knapp dem Tod. Die Geschichte einer Frau, die sich selbst übertraf und nie ihren Mut, ihre Rechtschaffenheit und Verantwortung vergaß. In diesem Beitrag erfährst du mehr über diese außergewöhnliche Krankenschwester.

Violett Jessop – die Überlebenskünstlerin

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Violet Jessop

 

Diese außergewöhnliche Frau ist als „Die Stewardess der Titanic“ bekannt. Violett Constance Jessop Vivanco erblickte 1887 in Argentinien in einer irischen Auswandererfamilie das Licht der Welt. Da die Familie in Argentinien nicht den erwarteten Erfolg erreichte, entschieden sie sich, in ihr Heimatland zurückzukehren. Violett war noch ein Kind und die Ärzte versprachen ihr kein langes Leben, da sie an Tuberkulose erkrankt war – die Überlebenschancen waren nur gering. Doch sie bewältigte die Krankheit und schöpfte neue Kraft für ihr weiteres Leben. Nicht so ihr Vater, der kurz nach der Ankunft in England starb. Als die Mutter Violetts erkrankte, übernahm das junge Mädchen die Verantwortung für ihre neun Geschwister. Sie musste trotz ihrer Jugend hart arbeiten, doch schaffte es nach großer Anstrengung von der bekannten White Star Line als Stewardess engagiert zu werden. 

Dieses Unternehmen plante 1907 drei große Transatlantikschiffe in Betrieb zu nehmen, die auf jeder Überfahrt zwischen Europa und Amerika 4000 Personen transportieren sollten. Dabei handelte es sich um die Olympic, die Titanic und die Gigantic (die später auf Britannic umgetauft wurde). Du kennst sicher das Schicksal dieser Schiffe. 

Violett Jessop begann ihre Arbeit auf der Olympic. Sie war jung und entschieden und war sich der Verantwortung bewusst, 9 Geschwister ernähren zu müssen. Ihre Mutter war krank und sie versuchte sich so gut wie möglich ihren Weg zu bahnen, auch wenn dies für eine Frau in dieser Zeit nicht einfach war. 

Die drei Schiffskatastrophen

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Der erste Schiffsunfall, der jedoch nicht so weitreichend wie die anderen war, spielte sich am 20. September 1911 an Bord der Olympic ab. Violett arbeitete bereits seit einigen Monaten auf diesem Schiff als Stewardess – dabei verdiente sie zwar trotz des 17-stündigen Arbeitstages nicht übermäßig viel, doch ausreichend, um ihre Geschwister zu ernähren.

Sie liebte die Atmosphäre an Bord und wurde von allen gut behandelt. Doch am 20. September kam es zu einem Zusammenstoß der Olympic mit der Royal Navy HMS Hawke – dabei wurden glücklicherweise keine Todesopfer verzeichnet, doch beide Schiffe waren zerstört. Violett war durch dieses Ereignis eine Zeitlang verängstig und überlegte sich sogar, die Arbeit zu lassen. Bei dem Gedanken an ihre Familie schöpfte sie jedoch neue Kraft und ließ die Angst zurück, denn diese konnte keine Nahrung beschaffen und half ihr auch nicht, sich beim Anblick in den Spiegel besser zu fühlen. Die Olympic durchquerte erneut die Weltmeere, doch Violett erhielt ein weitaus besseres Angebot.

Die White Star Line engagierte Violett für die Titanic. Sie wurde als eine von 23 Kellnerinen angeheuert und sollte dafür mehr verdienen und gleichzeitig Zeitzeugin eines der wichtigsten Ereignisse der damaligen Gesellschaft werden. Dieses Luxusschiff war eine Herausforderung der Meere – in all ihrem Glanz, ihrer Größe und Stärke. Auch wenn Violett an diesem Angebot zweifelte, überzeugte sie ihre Familie davon, dieses anzunehmen. Ihre Arbeit war, die Kajüten der ersten Klasse zu betreuen. Auch hier arbeitete sie 17 Stunden am Tag, um die Ansprüche der High Society an Bord der Titanic zu erfüllen. Doch wie allgemein bekannt, kamm es in der Nacht vom 14. auf den 15. April 1912 zu einem Zusammenstoß mit einem Eisberg und damit zu einer der größten und bekanntesten Schiffskatastrophen. Violett hatte noch Zeit, ins Deck der dritten Klasse abzusteigen und auf spanisch all jene über die Katastrophe zu informieren, die kein Englisch konnten. Danach wurde sie zu den Rettungsboten geführt, um die Passagiere erster Klasse zu betreuen. Dies war ihr Glück und rettete ihr Leben. So wurde Violett Zeitzeugin dieser Tragödie, die 1523 Menschen das Leben kostete.

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Violett verblieb danach mehrere Monate zu Hause und fühlte sich unfähig zu arbeiten. Diese Schiffstragödie hatte sie stark mitgenommen, doch sie musste lernen, damit zu leben. Aus ihren Tränen und dem erlebten Schmerz schöpfte sie erneut Kraft – die Angst vor dem Meer sollte nicht zu ihrem größten Feind werden. Die Arbeit an Bord war ihr Leben und deshalb kehrte sie aufs Neue zu White Star Line zurück.

Dieses Mal war ihr Schicksal die Britannic. In der Zwischenzeit war der erste Weltkrieg ausgebrochen und dieses Schiff wurde zu einem schwimmenden Krankenhaus umfunktioniert, um verletzte Soldaten zu transportieren. Hier wurde Violett nicht als Stewardess sondern als Rot-Kreuz-Krankenschwester angeheuert, um die kranken Soldaten zu betreuen. Doch ein erneuter Schicksalsschlag sollte sie überraschen: Am 21. November 1916 verursachte eine Seemiene große Schäden an der Britannic, als diese gerade das Ägäische Meer durchkreuzte. Bei dieser Katastrophe kamen 29 Personen ums Leben. Das Schiff wurde zerstört, doch der Großteil der Besatzung konnte die lebensrettenen Boote erreichen – auch Violett Jessop. Sie war das dritte Mal dem Tode entkommen. Und was geschah danach? Viele an ihrer Stelle hätten sich eine andere Arbeit gesucht, doch Violett liebte das Meer, ihre Arbeit und das Leben an Bord. Sie arbeitete deshalb weiterhin als Stewardess zu Diensten der Passagiere und den unvorhersehbaren Launen des Meeres ausgesetzt.

Violett Jessop setzte sich 1950, nach 42 Jahren auf See, in ihrem kleinen Landhaus zur Ruhe und widmete sich ihrem Garten und ihren Hühnern. Sie wurde bekannt als legendäre Überlebende der drei meistbekannten Schiffskatastrophen.