Das Wendy Syndrom

· 12 August, 2015
Meist sind Frauen davon betroffen und leiden an einem sehr geringen Selbstwertgefühl.

Wird das Wendy Syndrom in der Psychologie beschrieben, glauben viele, dass es typisch für ältere Generationen ist und heutzutage nicht mehr so häufig vorkommt. Doch dies ist weit von der Wirklichkeit entfernt.

Meist sind Frauen davon betroffen, die an einem sehr geringen Selbstwertgefühl leiden. Grenzen und ein gesundes Gleichgewicht sind in einer Beziehung sehr wichtig.

Den Partner, die Eltern oder Freunde zu lieben, bedeutet noch lange nicht, dass die eigenen Bedürfnisse und die persönliche Entwicklung vernachlässigt werden sollte. In diesem Beitrag erfährst du mehr über das Wendy-Syndrom.

Wendy-Syndrom, perfekt für Peter Pan

Wendy Darling und Peter Pan sind die Protagonisten der vielbekannten Erzählung von James M. Barrie. Peter lehnt es ab zu wachsen, er will keine Verantwortung, Stabilität oder Reife, sondern ein Leben voller Abenteuer.

Er verkörpert also all jene unreifen Personen, die unfähig sind, die Verantwortung für ihr eigenes Leben oder das anderer zu übernehmen.

Wendy kümmert sich jedoch bereits am ersten Tag darum, dass Peter Pan seinen Schatten nicht verliert, sie putzt sein Haus, sorgt sich um die verloren Kinder und opfert alles, denn so fühlt sie sich glücklich.

Welche Charaktereigenschaften haben Menschen mit dem Wendy-Syndrom?

  • Sie haben die Notwendigkeit, andere übermäßig zu bemuttern und zu pflegen, da sie denken, sie so glücklich zu machen.
  • Sie stellen die Bedürfnisse der anderen in den Vordergrund und opfern sich auf. Dabei kommt es zum Verzicht auf viele Dinge, die für die Betroffenen selbst wichtig sind.
  • In der Aufopferung sehen sie einen Beweis der Liebe, diese erfolgt freiwillig, niemand zwingt die Betroffenen dazu. Meist finden Wendy-Frauen unreife Lebenspartner mit Peter-Pan-Charakter, die sich gerne pflegen lassen und keine Verantwortung tragen möchten.
Wendy

  • Menschen mit dem Wendy-Syndrom befürchten meist 2 Dinge: nicht mehr benötigt oder zurückgewiesen zu werden und ihre Einsamkeit. Alleine der Gedanke, niemanden bemuttern zu können, ist grauenvoll, weil sie sich nur so nützlich fühlen.
  • Doch auch, wenn sie so glücklich zu sein scheinen, kommt es meist zu Situationen, in denen sie sich manipuliert fühlen und bemerken, dass sie zu viel geben, ohne etwas zu erhalten. Sie fühlen sich frustriert und herabgesetzt. Ab diesem Moment kommt es zu Problemen und oft auch zu Depressionen.

Partnerschaft

Das heißt noch lange nicht, dass man sich nicht um den Partner oder geliebte Personen kümmern oder diesen pflegen sollte. Der Lebenspartner und die Familie, insbesondere die Kinder,  sind ein wichtiger Teil unseres Lebens, unserer Identität und eine unentbehrliche Stütze.

Das Gleichgewicht finden

Es muss jedoch ein Gleichgewicht bestehen. Deshalb sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Vergiss niemals die Wichtigkeit der persönlichen Entwicklung, der Privatsphäre, deiner Hobbies, deiner Werte und vor allem deines Selbstwertgefühles. Wenn du alles opferst, kommt der Moment, in dem du dich leer, unzufrieden, frustriert und traurig fühlen wirst. So kannst du den anderen auch nicht mehr dienen, denn du fühlst dich unglücklich.
  • Wenn du stolz auf dich selbst bist und ein gutes Selbstwertgefühl sowie die nötige Selbstständigkeit hast, kannst du den geliebten Personen positive Energie und Emotionen schenken. 
  • Pflege deinen Lebenspartner, vergiss dabei jedoch nicht auf dich selbst. In einer Beziehung darf es keine Verlierer, sondern nur Sieger geben. Wenn du deine Kraft und Stärke verlierst, weil du dich nur um die anderen, nicht jedoch um dich selbst kümmerst, werden auch die von dir geliebten Personen daran leiden. Nähre dein Glück, damit du dieses auch an die anderen weitergeben kannst. Es lohnt sich!
  • Quadrio, C. (1982). The peter pan and wendy syndrome: A marital dynamic. Australasian Psychiatry. https://doi.org/10.3109/00048678209161187
  • Smith, A. (2012). Wendy’s Story: Analytic perspectives on J. M. Barrie’s Peter and Wendy. Journal of Analytical Psychology. https://doi.org/10.1111/j.1468-5922.2012.01993.x