Der Spot, der zu Weihnachten Millionen Menschen bewegt hat

23 Februar, 2019
Obwohl wir auch an den übrigen Tagen im Jahr an sie denken sollten, muss doch oft erst die Weihnacht kommen, damit wir uns an die älteren Menschen erinnern, die wir lieben und mit denen wir gern Zeit verbringen

Weihnachten gehört zu den schönsten Familienfesten. Aber nicht alle Menschen sind in der Lage, das glückliche Zusammensein mit ihren Liebsten zu genießen. So gibt es Menschen, die sich auch zu Weihnachten sehr einsam fühlen.

In diesen Tagen der Liebe und der Versöhnung sollte genug Zeit sein, um die Verbindung zur Familie zu kräftigen. Es ist wichtig, mit ihr Momente zu erleben, die für immer in unserer Erinnerung bleiben. Sogar die Medien haben dafür geworben, diese Zeit der Besinnung mit der Familie zu genießen. 

Sie nutzt ebenfalls die Medien, um Bewusstsein zu schaffen: Albinismus: der bewegende Fall des Models Thando Hopa

Weihnachten liegt nun ein paar Tage zurück. Und hoffentlich hast auch du die Festtage in Frieden mit deinen Lieben verbracht. Falls du das nicht getan hast oder nicht tun wolltest, dann schau dir doch mit uns diesen Werbespot des Supermarktes EDEKA an. Er regt ganz sicher zum Nachdenken an und hat uns zum Schreiben dieses Artikels veranlasst.

Er heißt „Zeit heimzukommen“ und macht uns auf eine Realität aufmerksam, die Millionen ältere Menschen in aller Welt tagtäglich leben: die Einsamkeit.

Der Spot hat sich über die sozialen Netzwerke in Windeseile verbreitet. Und bereits am Tag seiner Erstausstrahlung wurde er über zwei Millionen Mal angesehen. Heute zählt Youtube mehr als 45 Millionen Klicks.

Die Geschichte

Familie feiert Weihnachten

Mitten in der Vorweihnachtszeit treffen bei einem allein lebenden, älteren Mann Nachrichten von all seinen Kindern ein, die ihm Bescheid geben, dass sie zu Weihnachten leider nicht bei ihm sein können.

„Hallo Papa, ich bins. Ich wollte nur kurz anrufen und dir Bescheid geben, wir werden es Weihnachten dieses Jahr wieder nicht schaffen. Wir versuchen es nächstes Jahr und dann klappt es ganz bestimmt. Fröhliche Weihnachten, Papa. Bis bald.“

Jener alte Mann beobachtet durch sein Fenster, wie seine Nachbarn von ihren jeweiligen Familien Besuch bekommen, um gemeinsam den Heiligabend zu feiern. Er dagegen hat nur die Gesellschaft seines Hundes und seines Weihnachtsbaumes.

Er leidet Tag für Tag an der Einsamkeit. Und es macht ihn sehr traurig, zu sehen, wie andere von ihren Kindern und Enkeln besucht werden, während er weiter allein bleibt.

Seine Kinder feiern anderswo. Ihre Feier wird jedoch plötzlich von einer immensen Trauer bestimmt, weil sie eine Todesanzeige erhalten und auch über das Telefon darüber informiert werden, dass ihr Vater verstorben ist.

Alle haben ihre jeweiligen Verabredungen und Verpflichtungen abgesagt und sich daraufhin im Hause des Vaters versammelt, um gemeinsam zu trauern. Hier wurden sie von ihrem Papa überrascht, der seinen Tod nur vorgetäuscht hat.

„Wie hätte ich euch denn sonst alle zusammenbringen sollen?“, fragt er sie zur Begrüßung. Kein Auge bleibt trocken und die Freude seiner weinenden Kinder und Kindeskinder könnte nicht größer sein. Der bewegende Spot endet damit, dass der einzige Wunsch des Protagonisten erfüllt wird: ein gemeinsames Abendessen mit seiner Familie.

Auch andere „Randgruppen“ kämpfen mit Problemen, von denen wir am reich gedeckten Tisch nichts ahnen: Der anonyme Verkäufer: 8 Kugelschreiber und eine hungrige Tochter

Nicht nur an Weihnachten: Die Realität vieler älterer Menschen

Dieser Weihnachtsspot beschreibt eine Realität, die Millionen ältere Menschen in aller Welt täglich erleben. Weihnachten intensiviert die Einsamkeit jedoch noch. Sie verbringen die Feiertage allein, obwohl sie eine Familie haben.

Das passiert nicht nur in Deutschland, wo der Spot herkommt. Aber unser hektischer Lebensstil lässt heutzutage tatsächlich wenig Zeit und Raum, um uns um unsere älteren Familienmitglieder zu kümmern. Man schätzt, dass jeder 5. über 65-jährige in dieser Situation ist.

Es konnte inzwischen gezeigt werden, dass fehlende Gesellschaft, besonders zu so wichtigen Anlässen, die Stimmung der Betroffenen massiv verschlechtert und sogar Depressionen hervorrufen kann.

Ein Hoffnungsschimmer

Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass gesellschaftliche Kampagnen genau auf jene Bevölkerungsgruppe abzielen, die seit Jahren in Vergessenheit geraten ist. Durch ihre Familie, durch die Welt.

Es gibt zum Beispiel Vereinigungen, die jeden Tag dafür kämpfen, die ungewollte Einsamkeit zu reduzieren. Dabei bauen sie auf die Hilfe vieler, vieler Freiwilliger.

Wenngleich die gewählte Methode eine andere ist, so versucht doch auch der Werbespot von EDEKA zu erreichen, dass wir zu Weihnachten an ältere Menschen denken und auf diese Weise niemand allein bleibt. Es wurde dazu eingeladen, Fotos von Momenten, die in der Weihnachtszeit mit der Familie erlebt wurden, hochzuladen.

Der zugehörige Hashtag ist #heimkommen und weil es sich um eine Supermarktkette handelt, wurde mit 100 Gewinnchancen auf Einkaufsgutscheine die Motivation zur Teilnahme erhöht.

Wir möchten an dieser Stelle nicht für EDEKA werben, sondern den Spot nutzen, um eine wichtige Botschaft zu vermitteln, um ein größeres Bewusstsein für unsere älteren Mitmenschen zu schaffen.

Hat Weihnachten jemand gespannt darauf gewartet, dass du ihn besuchst? Wenn dem so ist, und du nicht erschienen bist, wann ist der Moment, das nachzuholen? Was morgen ist, wissen wir nicht.

  • Arranz, L., et al. “El aislamiento social durante la vejez empeora el deterioro cognitivo, conductual e inmunitario.” Revista Española de Geriatría y Gerontología 44.3 (2009): 137-142.
  • Gajardo J. “Vejez y soledad: implicancias a partir de la construcción de la noción de riesgo.” Acta bioethica 21.2 (2015): 199-205.
  • Rodríguez , M. “La soledad en el anciano.” Gerokomos 20.4 (2009): 159-166.