Was sind adenoide Vegetationen?

Adenoide Vegetationen ("Polypen") gehören zum Immunsystem des menschlichen Körpers. Sie sind zwar oft Grund für einen operativen Eingriff, tatsächlich besteht ihre Hauptfunktion aber darin, uns vor Krankheiten zu schützen. In diesem Artikel erklären wir, was genau sie sind und welchen Zweck sie erfüllen.
Was sind adenoide Vegetationen?

Letzte Aktualisierung: 04 Mai, 2021

Adenoide Vegetationen sind Teil des menschlichen Immunsystems. Das bedeutet, dass ihre Funktion darin besteht, den Körper gegen etwaige Mikroorganismen oder Substanzen, die von außen eindringen wollen, zu schützen.

Dieses Immungewebe befindet sich hinter der Nase, sozusagen im Dach der Atemwege, und reicht über den Hals bis in den Brustkorb. Zusammen mit den Mandeln bildet es einen Ring, der den Bereich der Mund- und Nasenhöhle vom Rachen abgrenzt.

Die Hauptfunktion der Polypen ist das Filtern und Abwehren von potentiell schädlichen Substanzen oder fremdartigen Mikroorganismen, die möglicherweise eindringen könnten. Polypen können Bakterien, Viren oder sogar erregerhaltigen Staub zurückhalten.

Adenoide Vegetationen sind in der Kindheit am aktivsten. Bis zum fünften Lebensjahr ist ihre Funktion ausgesprochen aktiv. Ab diesem Alter beginnen sie sich zu verkleinern, bis sie in der Pubertät meist vollständig verschwinden. Das liegt daran, dass der menschliche Körper zu diesem Zeitpunkt andere, effizientere Möglichkeiten hat, sich zu verteidigen.

Adenoide Hypertrophie

Wie wir bereits erwähnt haben, sind adenoide Vegetationen bekannt dafür, dass sie in bestimmten Fällen operiert werden müssen. Ist eine Operation notwendig, so spricht man von einer Adenoiden Hypertrophie.

Eine Adenoide Hypertrophie beschreibt eine Vergrößerung des dort befindlichen Immungewebes. Diese Vergrößerung führt bei den Betroffenen zu unerwünschten Symptomen und hindert das Gewebe daran, seine eigentliche Funktion zu erfüllen. Meist tritt eine Adenoide Hypertrophie im Alter zwischen drei und sechs Jahren auf.

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Kinder, die darunter leiden, haben meist einige der folgenden Symptome:

  • Mundatmung: Wenn der Nasengang verstopft ist, strömt die Luft durch den Mund ein.
  • Trockener Mund: Weil die Luft durch den Mund eintritt, wird die Mundhöhle trocken. Das liegt daran, dass der Mund nicht auf das Atmen vorbereitet ist.
  • Nasale Stimme: Die Blockade erzeugt Veränderungen im Resonanzboden, der der Stimme ihren Klang verleiht. Daher haben Kinder mit Hypertrophie oft eine andere Stimme mit einem charakteristischen Klang.
  • Schnarchen: In der Regel schnarchen die betroffenen Kinder in der Nacht. Sie können aber auch im Wachzustand ein intensives Geräusch beim Atmen von sich geben, so als würden sie tagsüber schnarchen.
  • Halitosis (Mundgeruch): Mundatmung, welche den Mund austrocknet, führt wiederum zu Mundgeruch, selbst bei guter Hygiene. Bestimmte Bakterien gedeihen am besten in einer trockenen Umgebung.
  • Wiederholte Infektionen: Das vielleicht häufigste Anzeichen für eine Adenoide Hypertrophie ist, wenn ein Kind wiederholt Infektionen der Ohren, der Nase und des Rachens hat. Mehr als acht oder neun Fälle von Rachenentzündung, Mittelohrentzündung oder Nasennebenhöhlenentzündung pro Jahr erfordern eine Untersuchung, um eine Hypertrophie auszuschließen.
adenoide Vegetationen
Probleme mit der Mundgesundheit bei Kindern können auf eine Adenoide Hypertrophie zurückzuführen sein.

Adenoide Vegetationen: Wann ist eine Operation nötig?

Normalerweise sollten Polypen nicht entfernt werden. Es ist ein physiologisches Gewebe des menschlichen Körpers und es hat eine bestimmte Funktion, besonders bei Kindern. Tatsächlich sind sich nicht alle Experten über den Nutzen eines chirurgischen Eingriffs einig.

Ist eine Entfernung notwendig, erfolgt sie in der Regel zusammen mit einer Tonsillektomie – der Entfernung der Mandeln. Bis heute sind das die häufigsten pädiatrischen Operationen.

Nach allgemeiner Auffassung benötigen Kinder eine Operation, wenn:

  • Die Atembeschwerden anhaltend sind und ihre körperliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigen, sei es im Sport oder bei Aktivitäten des täglichen Lebens.
  • Während des Schlafens Atembeschwerden auftreten und Apnoen, also kurzzeitige Atemaussetzer, verursachen.
  • Die Infektionen im Kindesalter häufiger auftreten und so weitere Komplikationen entstehen könnten. Zum Beispiel verzögertes Wachstum, Hörverlust oder Lernprobleme.

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Adenoide Vegetationen bei Erwachsenen

Ab dem fünften Lebensjahr bis in die Pubertät hinein durchlaufen die Polypen einen Atrophieprozess. In den meisten Fällen schrumpfen sie nach und nach und verschwinden schließlich. Der Körper braucht sie nicht mehr so sehr wie in der Kindheit und baut sie daher auf natürliche Weise ab.

Ihr Verschwinden ist kein großer Verlust. Im Gegenteil, die Atrophie deutet darauf hin, dass der Körper in der Lage war, sich weiterzuentwickeln und andere Möglichkeiten der Verteidigung gegen äußere Einflüsse zu entwickeln. Das Fortbestehen der Adenoiden Vegetationen im Erwachsenenalter stellt hingegen ein Problem dar.

adenoide Vegetationen
Erwachsene mit obstruktiver Schlafapnoe können von einer Operation profitieren, falls ihre Polypen entzündet sind.

Erwachsene mit entzündeten Polypen können unter dem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom leiden. Dabei handelt es sich um nächtliche Episoden, während derer man im Schlaf für einige Sekunden nicht atmen kann. Dabei handelt es sich um eine komplizierte Situation, die mit hohem Blutdruck und erhöhtem Herzrisiko verbunden ist.

Wie Kinder können auch Erwachsene mit einer solchen Entzündung einen Eingriff benötigen, um ihre Atmung zu verbessern und die Episoden der nächtlichen Apnoe zu verringern. Dadurch kann das Syndrom zwar nicht vollständig behoben werden, aber es reduziert die Möglichkeit eines Herzvorfalls.

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