Das Helfersyndrom

Das Helfersyndrom ist vergleichbar mit einer Sucht und hat ein ähnliches Gefahrenpotential für Betroffene

Sich kennst du auch jemanden, der Züge vom Helfersyndrom aufweist. Nicht immer wird er tatsächlich ausgeprägt darunter leiden, doch die Gefahr ist groß, dass solche Personen sich selbst dabei vernachlässigen.

Vielleicht entdeckst du aber auch solche Züge bei dir selbst?

Grundzüge des Helfersyndroms

Personen, die unter dem Helfersyndrom leiden empfinden dies nicht als Leiden, sondern meist als „Mission“.

Meist finden sich solche Personen in klassischen sozialen Berufen, in denen der Hauptzweck des Jobs tatsächlich darin liegt, anderen zu helfen.

Viele Betroffene üben Berufe aus wie Arzt, Arzthelferin, Krankenschwester, Altenpfleger, Sozialarbeiter, Psychologe, Pfarrer, Seelsorger, Rettungsassistent und andere Positionen, bei denen die Hilfe im Mittelpunkt steht.

Ein gesundes Verhältnis zwischen Hilfe und Job sollte dabei immer gewährleistet sein, doch wer vom Helfersyndrom betroffen ist, erkennt diese Grenze nicht mehr und hilft über das normale (und gesunde) Maß hinaus.

Ärzte nehmen die Probleme ihrer Patienten mit nach Hause, Sozialarbeiter engagieren sich in ihrer Freizeit weiter, Krankenschwestern versorgen ihr soziales Umfeld und Psychologen beraten und therapieren ihre Freunde und Familienmitglieder.

Dies sind nur einige Beispiele von unzähligen, aus denen klar wird: da stimmt etwas nicht!

haende-helfenWo ist die Grenze?

Natürlich hilft eine Krankenschwester gerne, wenn ein Freund oder Familienmitglied krank ist und Pflege oder Hilfe braucht. Und natürlich darf ein Psychologe von Freunden um Rat gefragt werden.

Es kommt, wie immer, auf die Dosis an und ob derjenige, dem geholfen wird, das überhaupt möchte.

Klassisch für Personen mit Helfersyndrom ist, dass sie ihre Hilfe einfach aufdrängen und nicht fragen, ob diese überhaupt erwünscht ist.

Kommen Einwände, werden diese ignoriert. Auch, wenn die von solchen Personen dargebotene Hilfe nicht sinnvoll ist, wird diese weiter ausgeübt, jegliche Kritik prallt ab oder wird aggressiv abgewiesen.

Wünsche des eventuell Hilfesuchenden werden weder angehört noch anerkannt und es wird erwartet, dass den Helfern unendliche Dankbarkeit und Anerkennung entgegen gebracht wird. Auch dann, wenn die Hilfe weder hilfreich noch sinnig ist.

Ebenfalls charakteristisch ist, dass solche „Helfer“ die Hilfe und Unterstützung anderer Helfer nicht akzeptieren und annehmen und alles im Alleingang machen möchten.

Helfersundrom - Frau hilft anderen und vergisst sich selbstGefahren für Betroffene

Wer vom Helfersyndrom betroffen ist, übersieht und vergisst dabei regelmäßig seine eigenen Bedürfnisse.

Betroffene gehen über ihre eigenen körperlichen Grenzen, um anderen zu helfen.

Da werden Nächte zum Tag gemacht, um noch mehr zu helfen als andere, eigene Grundbedürfnisse wie Schlaf und ausgewogene Nahrungsaufnahme werden ignoriert oder nicht wahr genommen.

Betroffene sind auf einer Art persönlicher Mission, die in ein Suchtverhalten kippen kann.

Betroffene haben oft ein geringes Selbstwertgefühl und verspüren den Drang, sich selbst durch extreme Hilfe aufzuwerten.

Sie ziehen ihre Aufwertung des Selbstwertgefühls nur aus der Anerkennung ihrer Hilfeleistung. Bleibt diese aus, wird einfach noch mehr geholfen – ob sinnvoll oder nicht.

Eigene Bedürfnisse und Wünsche werden komplett hinten angestellt. Was zählt, ist nicht das eigene Wohlbefinden, sondern das anderer Menschen.

Solche Menschen möchten etwas Besonderes sein und opfern sich für diese Rolle regelrecht auf.

Daraus ergibt sich ein Risiko für eine Depression. Wer nicht auf seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse hört, wird irgendwann erschöpft sein und im Burnout enden.

Oft werden Medikamente oder auch Suchtmittel wie Alkohol oder Drogen konsumiert, um der Belastung standzuhalten, denn Hilfe wird ja abgelehnt.

kette-reissen-freiheitWas kannst du tun?

Egal, ob du dich selbst wieder erkennst oder ob du jemanden kennst, der das Helfersyndrom hat: der ewige Kreislauf des Helfens muss unterbrochen werden, der Betroffene muss ausbrechen und sich im Idealfall einer Therapie unterziehen, um nicht ganz daran zu zerbrechen.

Ziele einer solchen Therapie sind oft, die eigene Persönlichkeit zu entwickeln, sein Selbstwertgefühl zu entdecken und zu entwickeln.

„Wer bin ich, wenn ich nicht helfe?“ ist eine wichtige Erkenntnis. Auch „Ich bin wer, auch wenn ich nicht helfe!“, dies sollte am Ende der Therapie klar sein.

Ziel sollte sein, Betroffenen beizubringen, dass sie wertvolle Menschen sind, auch wenn sie nicht helfen.

Sie müssen erkennen, dass sie und ihr eigenes Leben an erster Stelle stehen müssen, um nicht zugrunde zu gehen und in Depression zu enden.

Zeige Betroffenen in deinem Bekanntenkreis, wie ihr Helfersyndrom auch andere belastet.

Freundschaften, Partnerschaften, Familien und Ehen leiden darunter, weil alles bei der Mission, helfen zu müssen, vernachlässigt wird.

Hilf Betroffenen, einen Ausweg zu finden, den sie selbst weder erkennen noch für nötig halten.

In diesem Fall solltest du zwar helfen – aber auch darauf achten, nicht in ein Helfersyndrom hinein zu rutschen. Denn du bist zuerst wichtig, erst dann andere!